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Die Wunderübung

„Wir waren eben eine klassische Unterwasser-Beziehung.“ – „Wir hätten nie auftauchen sollen…“ Valentin und Joana Dorek. Noch bis 14. August ist die Komödie des preisgekrönten Autors Daniel Glattauer im Kultur.Park.Traun zu sehen.

Die größte Überraschung gleich zu Beginn: Der ursprünglich für die Rolle des Therapeuten vorgesehene Josef Forster kann aus gesundheitlichen Gründen die Rolle nicht wie geplant ausüben. Für alle Vorstellungen springt für ihn niemand geringerer als Regisseur Alexander Knaipp selbst ein. Um die Rolle des Therapeuten auf seinen Typ anzupassen, hat er Co-Regisseurin Katharina Bigus ins Boot geholt. 
Die Entscheidung fiel denkbar knapp vor der Premiere: Eine Woche blieb dem Ensemble, um sich auf die neue Situation einzustellen – eine Tatsache, die in ihrem gemeinsamen Spiel nicht aufgefallen wäre, hätte man nichts davon gewusst.

Zum Inhalt: Seit 17 Jahren ist das Ehepaar Joana und Valentin Dorek verheiratet. Die beiden haben sich bei einem Tauchkurs in Ägypten kennengelernt. Die Mühlen des Alltags mit Beruf und Kindern haben der anfänglichen Faszination zwischen der Historikerin und dem Flugzeugbau-Ingenieur arg zugesetzt. Valentin resigniert zunehmend, während Joana immer verbitterter wird. Immerhin hat das Paar sich noch gemeinsam zu einer Paartherapie durchringen können, wenngleich mit völlig unterschiedlichen Erwartungen: Während Valentin scheinbar das Ganze nur über sich ergehen lassen möchte, ist Joana zunächst verbissen und siegessicher, Valentin als Ursprung allen Ehe-Übels zu überführen. Alle möglichen Übungen und Tricks hat der Therapeut für die beiden auf Lager, um sie irgendwie füreinander zu öffnen, aber er scheitert auf allen Ebenen. Die beiden haben einfach jahrelange Routine, sich aneinander zu reiben, kennen sich im Streit zu gut und haben den gegenseitigen Schlagabtausch – er subversiv, sie scharfzüngig – zur Königsdisziplin erhoben.

„Das ist mein Herz! Du würdest ja am liebsten mit der Hilti antreten!!“ – Joana beim Versuch Valentins, ihre ihr Herz symbolisierende Faust zu öffnen. „Sie haben eine außergewöhnliche Streitkultur auf hohem Niveau.“ – Therapeut.

 

Nach der Pause nimmt das Stück rasant an Fahrt auf. Der Therapeut wird zum Klienten: Seine Frau hat ihn plötzlich verlassen, er verzweifelt scheinbar an der Aufgabe, das Ehepaar Dorek wieder zusammenzubringen und schlägt ihnen eine Trennung vor. Das wollen die beiden dann doch nicht auf sich sitzen lassen und das Stück nimmt eine überraschende Wende …

„Lieber dreimal verglühen als einmal erfrieren, das sag ich Ihnen!“ Joana Dorek.„Die Wunderübung“ ist ein herrlich vergnügliches, leichtes Sommertheaterstück, das durch die überzeugende Darstellung von Gabi Deutsch, Adreas Pühringer und Alexander Knaipp noch zusätzlich an Charme, Witz und Lebendigkeit gewinnt.
Dem offensichtlichen Vergnügen des Publikums und seinen unzähligen Lachern nach zu urteilen, gibt es niemanden, der sich nicht irgendwann selbst in dem Stück wiederfindet.

Stück von Daniel Glattauer
Inszenierung von Alexander Knaipp
Co-Regie: Katharina Bigus
Regie-Assistenz: Johanna Mayrhofer  
Mit Gabriele Deutsch, Alexander Knaipp und Andreas Pühringer

Mehr Infos: www.schloss.kulturpark.at

Datum: 4. August 2021 / Text: Ortrun Schandl / Fotos: Werner Redl