Kategorien: Festival, Theater

Schäxpir Theaterfestival 2021

Wertvoll für unsere Zukunft

Immer größer, immer weiter, immer spektakulärer. Unter diesem Aspekt wird sehr vieles heut zu Tage geplant. Nichts soll klein und leise sein wenn es auch groß und laut möglich wäre. Nicht immer ist das der richtige Zugang. Vor allem Kinder- und Jugendliche brauchen in Wirklichkeit sehr oft weniger als mehr an Spektakel, Urlaub, Megazoos und Riesencitys um groß zu werden.


Das Städtchen Drumherum
 

Genau um dieses Thema drehte sich auch das Stück „Das Städtchen Drumherum“, das im Zuge des Festivals SCHÄXPIR gezeigt wurde. Während der Originaltext von Kinderbuchautorin Mira Lobe aus dem Jahr 1970 stammt ist der Inhalt aktueller denn je:

Der Wald muss weg! Sonst kann die Stadt nicht weiter wachsen. Und warum sollte der Bürgermeister auf sein neues großes Rathaus, den Rummelplatz und das Schwimmbad verzichten wollen zu Gunsten von Wald und Teich? Warum? Zum Beispiel weil seine eigenen Kinder und deren Freund/innen von den Plänen Wind bekommen und sich Hilfe bei der Waldgeist Frau Hullewulle suchen. Deshalb. Denn sie lieben den Wald. Er ist ihr Spiel-Platz. Und so kommt zumindest auf der Bühne dann doch noch alles anders als geplant. Denn auch wenn der Bürgermeister von sich denkt, er sei ein kluger Kopf - viel klüger als er sind seine Kinder, die Tiere und vor allem die schaurig-schöne Fee.

Wunderbar magisch, humorvoll und mitreißend brachte das Landestheater Niederösterreich die Mia Constantine-Fassung des Kinderbuch-Klassikers auf die Bühne. Die Nominierung für den SUPERSTELLA*21 in der Kategorie „Herausragende Produktion für Kinder“ wundert nicht. Und der Inhalt - könnte wichtiger kaum sein!

#Weil nichts egal ist

Nicht nur dieses Stück rückte wichtige Inhalte für Kinder- und Jugendliche und überhaupt alle Menschen ab zwei Jahren in den Fokus. Denn gemeinsam hatten sie alle das Motto, unter dem SCHÄXPIR heuer generell lief „super natural“ schneidet Diskurse an über Fragen wie Was ist natürlich, was menschengemacht? Gibt es noch unberührte Flecken auf der Erde? Wie steht es um unsere Gemeinschaft, um die Zukunft und können wir mit den Herausforderungen unserer Zeit umgehen?

Schauspielstudent/innen der Anton Bruckner Privatuni beschäftigten sich in „Die Geschichte von Ak und der Menschheit“ mit der Frage nach dem Wert des Menschen an Hand einer literarischen Erzählung über die Oktoberrevolution 1917, in der sich „aussortierte Menschen“ selbst liquidieren sollen - binnen 24 Stunden. Starker politischer Stoff, der nicht alt wird.

In „Geht’s uns net guad“ - einer Kooperation mit dem Landestheater Linz und der OÖ Landesausstellung (in Steyr) - wurde ausnahmsweise nicht in Linz sondern in Steyr in Form eines hybriden Theaterparcours die Arbeitersiedlung an der Ennsleite zum Hauptakteur. Das von den beiden künstlerischen Leiterinnen des SCHÄXPIR-Festvials entwickelte Stück beleuchtet damit ebenfalls politisch wie historisch brisantes. Thematisch schwer bewegendes zeigte auch die Produktion des Linzer Landestheaters in dem Stück „The Wave (Die Welle)“. Andere große Fragen des Lebens wurden vom Linzer Phönix Theater im Stück „#Schalldicht“ abgehandelt, in dem vier junge Menschen in einem Tonstudio festsitzen und sich gezwungenermaßen mit Themen wie Liebe, Pizza, Weltmeer, Nähe und Distanz beschäftigen müssen

Stellvertretend für die zahlreichen internationalen Gastspiele sei „Hold your Horses“ erwähnt. In der NL-D-AUT- Gastproduktion von De Dansers stand die Sehnsucht im Mittelpunkt, andere Menschen und Dinge mit bloßen Händen zu berühren. Kollektives Nachdenken über eine „Dilemma-Situation“ wurde in der Schweizer Produktion „Das Uhu-Experiment“ angeregt und „Mikado Remix“ aus Belgien lotete die Frage nach dem Normal-Sein und was das überhaupt sein soll aus. Weil nichts egal ist, so könnte man die Inhalte des Fetivals zusammenfassen.

„Wir veranstalten hier keinen Mist“

SCHÄXPIR war einmal mehr sehr engagiert, wollte etwas bewegen, neue Wege aufzeigen und anregen, dabei zu bleiben, sich nicht auszuklinken, die Welt gestaltend wahrzunehmen. Nicht zuletzt setzte SCHÄXPIR auch abseits der Stückauswahl Zeichen. Es war „Green Event“ und entwickelte unter dem Motto „Wir veranstalten hier keinen Mist“ gemeinsam mit dem Klimabündnis OÖ ein nachhaltiges Veranstaltungskonzept.

„#schalldicht"

Unter diesem Link sind übrigens einige Inhalte online nachzusehen:

https://www.schaexpir.at/programm/eroeffnung.html

Unter anderem „#schalldicht“ - die Produktion des Theater Phönix für alle ab 13, in der Regisseurin Sina Heiss das Publikum an das Geschehen „in einem Tonstudio heranführt, in dem vier junge Leute festsitzen und gezwungen sind, sich mit großen Themen des Lebens wie Liebe, Pizza, Weltmeere, Nähe und Distanz auseinanderzusetzen.“ (Auszug Homepage SCHÄXPIR)

Datum: 24. Juni 2021 / Text und Fotos: Michaela Ogris-Grininger