Kategorien: Festival, Ausstellung

Monochromer Ruhepol und bunte Lebendigkeit

Zum 11. Mal belebt das Festival Perspektiven Attersee den ländlichen Raum mit seinen zeitgenössischen Impulsen.

Perspektiven Attersee (c) Barbara Jany

 

 

Perspektiven Attersee (c) Barbara Jany

 

 

Perspektiven Attersee (c) Barbara Jany

Betritt man die Atterseehalle, dann sieht man erst mal: Nichts. Der große Raum ist völlig leer. Einzelne Töne erklingen. Darunter ein sirrender Klangteppich. Neonröhren blitzen auf und erhellen für kurze Augenblicke das Gebälk des Daches. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit und lassen Grautöne erkennen.

Es braucht ein wenig, um anzukommen in dieser Installation des audiovisuellen Künstlers Marian Essl alias Monocolor. Dann aber taucht man ein, in diesen umhüllenden Mantel aus Klang, Licht und Raum, der sich stetig wandelt. Es ist wohl die Reduktion auf so wenige Elemente, die zur Ruhe kommen lässt. Und die Anmutung an eine große, auf ihr Wesentliches reduzierte Kathedrale.

Mit seinen Arbeiten macht Essl das Wechselspiel von Klang, Bild und Raum zum Thema und in Attersee erleb- und spürbar. Das Festival Perspektiven Attersee, das heuer zum 11. Mal stattfindet, hat dem national und international tätigen Künstler mit seiner Installation „Disarray“ eine sehenswerte Personale gewidmet.

Mode in der alten Fleischerei

Bunt und quirlig hingegen ist es im temporären Mode Atelier im Haus Bauer. Romana Zöchling hat es mit ihrem Label Ferrari Zöchling für eine Woche bezogen und bringt mit ihren auffälligen Prints und ihrer herzlichen Art Farbe und Leben in den ehemaligen Verkaufsraum der Dorffleischerei.

Abgelöst wird sie vom nachhaltigen Swim- und Sportswear Label Margaret and Hermione der Designerin Barbara Gölles. Darauf folgen meshit x kasa mit ihrer Kollektion aus alten Bettwäsche-Stoffen. In der Abschlusswoche der Perspektiven teilen sich schließlich die Labels Lila & John mit seiner Unisex-Streetwear und moto djali mit seinen klaren Linien das Atelier.

So vielfältig die Designer*innen, die hier einen Monat lang spannende (und wohl teils auch herausfordernde) Mode in den beschaulichen Ort bringen, so sehr eint sie ihr Fokus auf Nachhaltigkeit.

Die nächste Generation von Heilsteinen

Ein Thema, das auch die Künstlerin Sarah Steiner in ihrer Installation „Stones“ aufgreift. Ihre Ausstellung in den Schaufenstern des ehemaligen Kaufhauses Baresch zeigt eine neue Generation von Heilsteinen. Dafür hat sie Lifestyle-Produkte zu Granulat oder Pulver verkleinert und in Epoxidharz gegossen. So werden ein iPhone 6, Schwechater Bier, Wild Nature Hundefutter, Impact Whey Protein-Pulver und die DVDs der 2. „Game of Thrones“-Staffel zum Heilstein „Jurit“, der gegen haltungsbedingte Schäden der Wirbelsäule, Rheuma und Krämpfe wirken soll. Mit Augenzwinkern spiegelt Steiner so unsere Haltung zur Welt und ihren Konsumgütern.

Schildkröte im Freibad

Weitere Inspirationen aus der Welt der zeitgenössischen Kunst bringen das Freilichtkino im öffentlichen Freibad Sprinzensteinpark am 17. Juli mit dem in Cannes ausgezeichneten Animationsfilm „Die rote Schildkröte“ und die Performance „drift“ des Elektroakustikers Sebastian Leopold anlässlich des Halbzeitfestes am 24. Juli. Am 7. August wird mit dem Konzert von „Elsa Tootsie and the Mini-Band“ und der Performance des Heilmasseurs und Künstlers Leon Höllhumer der Abschluss gefeiert.

So bringen die Perspektiven auch heuer wieder spannende Impulse nach Attersee, irritieren, regen zum Nachdenken an und beleben die Leerstände des Ortes.

 

10. Juli bis 7. August 2021, Attersee am Attersee

Programm und Infos: www.perspektiven-attersee.at

Alle Veranstaltungen finden bei freiem Eintritt statt.

 

Datum: 15. Juli 2021 / Text und Fotos: Barbara Jany