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OÖ Stiftskonzerte 2021

Wo selbst der größte Klassikstar leuchtende Augen bekommt

Fragt man nach dem Warum – warum nur sind die OÖ. Stiftskonzerte so beliebt und schrammen seit 48 Jahren Sommer für Sommer an der 90-prozentigen Auslastung vorbei –, bekommt man stets eine Antwort:

Es ist die Magie der Orte. Dort, in Oberösterreichs Stiften, stehen selbst internationale Klassikstars mit offenem Mund und leuchtenden Augen inmitten der imposanten Prunkräume, wo sie ihr Programm präsentieren werden, für das seit sieben Jahren Rico Gulda verantwortlich zeichnet. Und das Publikum genießt die einzigartige Atmosphäre, den Künstlerinnen und Künstlern so nah wie nirgends sonst zu sein.

Das ist das nur scheinbar simple Erfolgsrezept des größten oberösterreichischen Sommer-Klassikfestivals, das sich heuer freilich bescheidener gibt und statt mit der etwa üblichen 18 mit elf Konzerten das Auslangen findet. Immerhin dreimal so viele wie in der vorjährigen Ausgabe – der Sommer 2020 war ein Wagnis, das jedoch an einem Juli-Wochenende reichlich belohnt wurde. Heuer also kann auf ein bewährtes Sicherheitskonzept zurückgegriffen werden und auch die Beschränkungen vor, auf und um die Bühne herum sind erwartbar gewesen bzw. haben ihren größten Schrecken verloren. Im März wurde beschlossen, auch diese Saison – so kurz vor dem 50-jährigen Jubiläum – keinesfalls ausfallen zu lassen, sondern dem treuen Publikum Konzerte, in welcher Form auch immer, anzubieten.

Die Ausnahme von der Regel

Und tatsächlich beginnen die OÖ. Stiftskonzerte, die traditionell an jedem Wochenende im Juni und Juli stattfinden, in diesem zweiten Ausnahmejahr bereits Ende Mai. Diese große Ausnahme ist dem Hauptaustragungsort des Festivals geschuldet: Das Stift St. Florian feiert heuer 950 Jahre Augustiner-Chorherren und Florianer Sängerknaben im Kloster. Was als Veranstaltungsreigen durch das Jahr hindurch konzipiert war, kann naturgemäß ebenso nur beschränkt stattfinden, dennoch haben die Feierlichkeiten vor Ort Vorrang. Die OÖ. Stiftskonzerte eröffnen ihre Saison demnach wie gewohnt im Stift St. Florian mit dem Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner – doch nicht im purpurnen Marmorsaal, sondern in der Stiftsbasilika. Was sonst den alljährlichen Höhepunkt im Juli darstellt – eine Bruckner Sinfonie des heimischen Orchesters mit seinem Chefdirigenten – so nah an Bruckners letzter Ruhestätte, wie es nur in der Basilika möglich ist –, wurde diesfalls also kurzerhand zur feierlichen Eröffnung umgemünzt. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Nicht die schlechtesten, will man meinen: Das Konzert am 29. Mai ist restlos ausverkauft. Noch einmal tritt das Bruckner Orchester im Sommer in dieser „heiligen Halle“ auf, wenn Bruckners e-Moll-Messe mit dem Linzer Jeunesse Chor erklingt.

Debüts und Publikumslieblinge

Der zweite Kraft- und Inspirationsort für die OÖ. Stiftskonzerte ist das Benediktinerstift Kremsmünster, dessen Kaisersaal noch jeden Künstler, jede Künstlerin bass erstaunt zurückließ. Nicht anders wird es dem großen russischen Pianisten Sergei Babayan gehen, der dort am 19. Juni sein Oberösterreich-Debüt mit einem puren Bach-Programm feiert. Dass in einem Klassikfestival auch andere Genres ihren Platz haben (sollen) – noch dazu in gelöster Sommerstimmung –, zeigen die OÖ. Stiftskonzerte in den letzten Jahren vermehrt durch das Angebot an musikalischen Lesungen, Jazz-, Worldmusic- und Crossover-Konzerten. Den Kaisersaal wird im Juli also auch Michael Köhlmeier bestaunen, wenn er selbst über Sportlerlegenden (Un)Bekanntes zu erzählen weiß, zusammen mit der wohl aufregendsten Percussionistin unserer Tage, Vivi Vassileva. Für alle ab vier Jahre gibt es ein nächstes Abenteuer der Gartenfee Tassila zu lauschen – passenderweise im Gartensaal des Stiftes St. Florian, genauso wie „darüber“ im Marmorsaal die große Fangemeinde von Michael Oman seiner Austrian Baroque Company zum 20-jährigen Bestehen gratuliert. Der Blockflötenvirtuose lebt übrigens in Lambach, dem dritten „Stammort“ der OÖ. Stiftskonzerte, den es heuer nur einmal zu bereisen gilt: Dann nämlich, wenn uns Nikolaus Habjan etwas pfeift. Mozart, Händel und Gluck natürlich, was haben Sie denn gedacht?

Musiker auf der Bühne im Stück "Tassila bekommt Besuch" - Edith Wregg

www.stiftskonzerte.at

Datum: 28. Mai 2021 / Text: Isabel Biederleitner / Fotos: Stiftskonzerte Lambach - Kristina Feldhammer; Stück „Tassila bekommt Besuch“ - Edith  Wregg