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Jedermann am See

Auf dem Hauptplatz kündet ein Spielansager (Philipp Hackl), unterstützt von drei Fanfarenbläsern, den baldigen Beginn an, denn im Karlsgarten gleich neben der Basilika, also auch unweit des Sees, findet seit nunmehr 99 Jahren (wenn auch mit Pausen) ein beliebtes Sommertheaterevent statt: Der Mondseer Jedermann.

Mondseer Jedermann (c) Alois Kaiser
Mondseer Jedermann (c) Erich Unteregelsbacher

Schon zwei Jahre nach dem Erfolg von Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel auf dem Salzburger Domplatz wurde das Stück hier erstmals, allerdings in einer Mundartfassung des ersten Spielansagers Franz Löser, von Amateuren, wie auch heute noch, gespielt. Der etwas holprige Rhythmus des Originals wurde aber beibehalten und passt ausgezeichnet zum Dialekt; selbst Max Reinhardt schätzte Idee und Inszenierung!

Etwas verhalten beginnt das Spiel, ist Jedermann nicht so grob zu den Bittstellern, noch ist Premierennervosität zu spüren. Doch spätestens bei der Tischgesellschaft ist die vergessen, stellt sich Volksfeststimmung ein: Da wird Landler getanzt, werden Gstanzln gesungen und es wird ordentlich geschunkelt. Jedermann, verkörpert von Willi Meingast, erst sechster Darsteller dieser Rolle und gleichzeitig Regisseur, plagen erste Ängste, die seine gute Laune nun immer öfter trüben; seine Freunde und Verwandten müssen ihn stets aufmuntern. Tina Koller als seine Geliebte ist die erste, die ihn panisch kreischend verlässt, als sie das Ende in Person des würdigen Todes (Thomas Steinhuber) nahen sieht, den Jedermann erst ignoriert, dem er aber, je näher er ihm kommt, desto würdiger begegnet.

Wie oft in Stücken mit theologischem Hintergrund ist es auch hier: Unvermeidlich betulich – blässlich wirken Textteile und Rollen, die dem gegenreformatorischen Hintergrund entsprechen; so müssen die Guten Werke (Michaela Gratzl) sympathisch schwächeln, darf auch Elfi Bernegger als Glaube nicht wirklich kraftvoll sein. Brillieren und unterhalten dürfen dagegen die negativen Figuren. Roland Starlinger ist ein glänzender (in jeder Hinsicht) Mammon, seiner Macht bewusst. Peter Birgel als ungemein quirliger, kraftvoll – ironischer Teufel avanciert zum Publikumsliebling.

In dieser Form, natürlich des gesamten Ensembles, kann sich die ganze Spielgemeinschaft schon auf ihr hundertjähriges Bestehen im nächsten Jahr freuen.

Datum: 13. Juli 2021 / Text: Christian Hanna / Fotos: Alois Kaiser, Erich Unteregelsbacher