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Am Wolgastrand in Bad Ischl

Der Zarewitsch, Florian Stanek & Theresa Dax & Roman Martin (c) www.fotohofer.at
Der Zarewitsch, Bernhard Berchtold mit Chor (c) www.fotohofer.at

Dieses topographische Paradoxon ergibt sich durch die Inszenierung der Operette Der Zarewitsch von Franz Lehár nach einem Libretto von Bela Jenbach und Heinz Reichert beim Festival zu Ehren des Komponisten in Bad Ischl. Gleich zu Beginn singt die vereinsamte Hauptperson das bekannteste Lied des Werks vom Soldaten am Wolgastrand, das prototypisch steht für dieses Spätwerk Lehárs voll Schwermut und ohne Happy End.

Regisseurin Isabella Gregor gelingt eine Inszenierung wie ein schönes, altmodisches Seidenzuckerl. Mit pastellglitzernder Oberfläche (Bühne: Toto, Kostüme: Sven Bindseil) und dem physisch präsenten goldenen Käfig um die Zarenkrone (ohne aber die latente Homoerotik unter den Tisch fallen zu lassen), knisternd wegen der Spannung, des Witzes und der guten darstellerischen Leistungen, und im Kern bittersüß – schokoladig wegen des wehmütigen Pathos der Komposition.

Dabei vermeidet der musikalische Leiter Markus Burkert souverän jedes zu-dick-Auftragen, worin ihm das Orchester mühelos folgt; einzig die im Programm leider ungenannte Solovioline darf den süßen Ton pflegen. Sehr erfreulich auch das  Tanzensemble, der Chor und die Solisten. Bernhard Berchtold singt die Titelrolle mit zwar kleiner (dank Verstärkung braucht er nicht zu forcieren, kann seine lyrische Qualität zeigen), aber feiner Stimme; Anne-Fleur Werner gefällt mit großer Beweglichkeit in Stimme und Darstellung; Theresa Dax und Roman Martin als Mascha und Iwan sind ein wunderbar komisches Buffo-Paar; Walter Sachers stattet die Sprechrolle des Großfürsten mit soviel Ironie aus wie seine Position es eben zulässt, und Florian Stanek zeigt seine Wandelbarkeit in den gegensätzlichen Rollen des steifen Ministerpräsidenten wie des elastischen süditalienischen Gigolo.

 

Datum: 11. August 2021 / Text: Christian Hanna / Fotos: www.fotohofer.at