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Eine Stadt voller Geschichten

Die oberösterreichische Landesausstellung 2021 erzählt Geschichte über Geschichten. Über Lebensgeschichten, um genau zu sein. Und zwar von gleich drei verschiedenen Gruppen - von Adeligen, BürgerInnen und ArbeiterInnen. Ganz nebenbei werden dabei große Fragen aufgeworfen.

Reden wir über „ARBEIT, WOHLSTAND und MACHT!“, so lautet der Titel der Landesausstellung, die heuer in der Stadt an der Steyr und der Enns gastiert. In einer Stadt, in der alle drei Lebensformen - Adel, Bürger - und ArbeiterInnen so sichtbar und nebeneinander stehend zu finden sind, wie sonst kaum wo. Nur wenige Gehminuten voneinander entfernt liegen hier ehemalige Arbeiterwohnsiedlungen, das Barockschloss Lamberg und reichgeschmückte Bürgerhäuser. Die Gebäude sind stumme, aber für alle, die genau hinschauen, unüberhörbare Zeugen einer sehr bewegten Vergangenheit.

Adel, Bürgertum und Arbeiterschaft - vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert unterstützen sie sich und übervorteilten einander, heirateten, stritten um die Vorherrschaft. Sie bauten Steyr aus, bauten es um und nach Katastrophen wieder auf. Während die einen um Grundrechte und gesellschaftlichen Aufstieg kämpften, pflegten die anderen internationale Handelsbeziehungen und strebten nach Macht und Wohlstand. Für das eigene Wohlergehen waren sie voneinander abhängig.

Was uns die Vergangenheit über die Zukunft sagt

Stellvertretend für die drei Gesellschaftsgruppen stehen die drei Ausstellungsstandorte Schloss Lamberg, Innerberger Stadel und Museum Arbeitswelt. Ausgehend von diesen Standorten lädt die Landesausstellung dazu ein, vor dem Hintergrund der Vergangenheit aktuelle Fragestellungen aufzugreifen und während des Entdeckens der Spuren der Historie sich selbst mit Fragen zu konfrontieren, die aktueller kaum sein könnten. Wie arbeiten wir heute, wie könnte die Arbeitswelt der Zukunft aussehen? Was bedeutet Wohlstand für uns und was macht er mit uns? Welche Macht haben wir - allein oder gemeinsam?

Während der Ausstellungszeiten sind KulturvermittlerInnen anwesend, die - als Alternative zu den coronabedingt derzeit nicht möglichen Führungen - für Fragen, Gespräche etc. zur Verfügung stehen. Darunter zum Teil „echte“ SteyrerInnen, die mit vielen spannenden Geschichten aus ihrem ganz persönlichen Steyr aufwarten können.

 

„Geht’s uns net guad“

Ein besonderes Highlight der Ausstellung stellt die Kooperationsproduktion mit dem Theaterfestival für alle - SCHÄXPIR - und dem Landestheater Linz dar. „Geht’s uns net guad“ thematisiert basierend auf Texten von Christine Nöstlinger das vergangene Leben in der ArbeiterInnensiedlung auf der Ennsleiten. Der Kartenvorverkauf für dieses Stück, das in Form eines Theaterparcours zur Aufführung kommt, Premiere ist am 17. Juni 2021.

Ein Projekt, das auch nach der Landesausstellung bestehen bleiben wird, ist die Soundinstallation „Weißes Rauschen“. Raumgebend dafür wird der Bereich des Zusammenflusses von Enns und Steyr, sein ein an sich schon - auch akustisch - sehr besonderer Ort. Diesem wird der Linzer Künstler und Architekturschaffende Clemens Bauder eine weitere Qualität hinzufügen. Wie weit das oftmals als optimale Babyeinschlafhilfe-Geräusch bezeichnete „Weiße Rauschen“  hier zum Einsatz kommen wird? Man darf gespannt sein!

 

 

Wo Street Art und Hip Hop Tradition hat

Ebenfalls im öffentlichen Raum - draußen und mitten in der Stadt - wird die Ausstellung „Mural Harbor goes Steyr“ zu sehen sein. Diese knüpft an die langjährige Steyrer Tradition der Graffiti und Street Art an. Denn tatsächlich hat das kleine, aber sehr spezielle Städtchen Steyr schon so manche Größen in dieser wie auch in der Hip Hop Szene hervorgebracht. Der Begriff Mural im Titel bezieht sich übrigens auf die Kunstform bzw. Kunstbewegung Muralismo. Diese hat in den 1920er Jahren in Mexiko seinen Anfang genommen und meint meist überdimensionale Wandmalerei im öffentlichen Raum mit Bezügen zu Erzählungen und Geschehnissen aus der Geschichte des Landes bzw. dessen Glauben.

Alle Infos: www.landesausstellung.at

Datum: 26. Mai 2021 / Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger