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Die ersten Eindrücke der OÖ. Kultursommer-Festivals und Veranstaltungen sind hier im BLOG zu finden. Die Blog-AutorInnen setzen sich großteils aus MitarbeiterInnen des OÖ. Kulturberichts zusammen: Eva-Maria Bauer, Christian Hanna, Markus Langthaler, Elisabeth Leitner, Dietmar Leitner, Elisabeth Mayr-Kern, Michaela Anna Ogris-Grininger, Nadine Tschautscher, Georg Wageneder und Astrid Windtner.

Jägerstätter und Bruckner, Prominenz und Jugend

Das Internationale Brucknerfest wurde am Sonntag, 8. September im Linzer Brucknerhaus eröffnet. Eine mutige Programmierung, junge Musiker/innen und viel Prominenz zeichneten den Festakt aus. Bis 11. Oktober gibt es nun Gelegenheit, Orchesterkonzerte mit heimischen Künstlern und internationalen Stars, Kammermusikabende, Klavier- und Liederabende, Lesungen, Pop-Up-Konzerte sowie ein Jubiläumskonzert im Mariendom zu erleben. Markus Poschner, Philippe Herreweghe, Valerij Gergiev, die Münchner Philharmoniker, Piotr Beczala, Thomas Hampson sind nur einige der zahlreichen musikalischen Gäste, die nach Linz kommen werden.

„Bruckner und seine Sinfonik“ ist das Thema des Brucknerfestes 2019. Mit dem Oberösterreichischen Jugendsinfonieorchester, dem OÖ. Landesjugendchor, den „V.I.P“ – Voices in Progress gab man der Jugend die Chance, ihr musikalisches Können in einem festlichen Rahmen mit viel Prominenz zu präsentieren – und damit den Zuhörern im Publikum vor Augen (und Ohren) zu führen, welche Verantwortung man für die junge Generation hat und wie groß der musikalische Reichtum in diesem Land bereits ist.

„Mut, Anstand, Gewissen und Zivilcourage – Tugenden, die auch heute noch notwendig sind“ – mit diesen Worten schaffte Martin Traxl nach Bundes-, Landes- und Europahymne als Moderator die Überleitung zur Uraufführung von Thomas Mandel. Diese trägt den Titel „Jägerstätter“ und ist Teil der Chorsymphonie, die aus neun Teilen besteht. Jeder Teil ist einem Bundesland zugeordnet. Am 3. November wird dieses Gesamtwerk anlässlich des 70 Jahr Jubiläums des Chorverbands Österreich im Wiener Musikverein erklingen. Die Uraufführung des OÖ-Teils war nun in Linz zu hören. Eindringlich erklang das Stück „Jägerstätter für gemischten Chor a cappela“, von Stefan Kaltenböck umsichtig dirigiert und von den Voices in Progress textdeutlich umgesetzt. Franzobel lieferte den in Mundart geschriebenen Text und komprimierte die Gewissensentscheidung des Bauern und Mesners von St. Radegund auf beeindruckende Weise in wenigen, aussagekräftigen Textpassagen.

Festansprachen von Bürgermeister Klaus Luger und Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer und Bundespräsident Alexander Bellen folgten. Festredner Wolf D. Prix, der Architekt und Mitbegründer von Coop Himmelb(l)au) brach eine Lanze für die Jugend: „Kinder haben das Recht auf eine bessere Welt“, er warnte davor „Stillstand als Reform zu verkaufen und dann Mauern zu bauen“ und sprach sich dafür aus, Utopien und Visionen wieder mehr Raum zugeben. Musikalisch wurde dem großen Meister von Ansfelden gehuldigt: Anton Bruckner, der im Jahr 2024 seinen 200. Geburtstag feiern wird. Die Marke „Bruckner“ soll über die Grenzen des Landes hinaus international mit Linz und Oberösterreich verknüpft werden. Bruckners Kunst, Tradition mit Innovation und Avantgarde zu verbinden wird heute gesehen und geschätzt, mehr, als es zu seinen Lebzeiten der Fall war. Bei der Eröffnung brachte das OÖ. Jugendsinfonieorchester den Marsch d-moll für Orchester und Drei Orchesterstücke Nr. 1 – 3 zum Klingen. Joseph Haydns Abschiedssinfonie war die Antwort auf die Ankunftssinfonie von Johannes Matthias Sperger, die ebenfalls zu hören war. Die jungen Musiker/innen begeisterten das Publikum im vollbesetzten Saal, das unter der Leitung von Gabor Kali, dem Gastdirigent zu erleben war – und ein beeindruckendes Zeugnis seiner Leistungsfähigkeit und seinem musikalischen Gestaltungswillen gab. Das Brucknerfest „Neue Welten – Bruckner und seine Sinfonik“ fand mit diesem Festakt einen würdigen und spritzigen Einstieg. Nun folgt der Konzertreigen – und ein Symposium zum Thema „Bruckner und die Frauen“, das in Kooperation mit dem Anton Bruckner Institut Linz veranstaltet wird.

Datum: 9. September 2019 / Text: Elisabeth Leitner / Fotos: Elisabeth Leitner & Reinhard Winkler

Ars is in town!

40 Jahre und jung, wie nie zuvor: heute beginnt in Linz das Ars Electronica Festival, und läutet damit den langsamen Abschied vom Kultursommer 2019 ein. Gestern gab es auf Einladung der Linzer Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer die Gelegenheit, den Auftakt zum Jubiläumsfest zu feiern. Zunächst mit einer Führung durch das neu gestaltete Ars Electronica Center, gefolgt von einem konzentrierten Überblick über das diesjährige Programm. Eine Geburtstagstorte durfte da selbstverständlich nicht fehlen.

„Out of the Box“ hat sich die Ars als Motto selbst gestellt, zum „tatsächlich allerletzten Mal“, wie mehrfach betont wurde, am Standort Post City beim Linzer Hauptbahnhof. Man kann das Festival schwer mit Worten beschreiben, weil es zu einfach wäre, sich auf die Superlative der Zahlen, Daten und Fakten zu beschränken. Die Ars ist mehr, man spürt es, wenn man durch Linz geht. Schon in den Tagen vor Festivalbeginn ist das Stadtbild sichtbar international geprägt. Nur sind es jetzt keine Ruderer mehr, die noch letzte Woche zur Weltmeisterschaft in Ottensheim da waren, sondern „Ars’ianerinnen und Ars’ianer“. „Ars ist in town!“

Ein Jubiläum ist immer ein guter Anlass, auf die Anfänge zurückzuschauen. Beim erwähnten Auftakt hat es Hannes Leopoldseder, langjähriger ORF-Landesintendant und einer der Ars-„Gründungsväter“, in einem kurzen Rückblick getan. Spannend zu hören, wie es war, Mitte/Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, als man daran ging, einen möglichen Wandel von Linz anzudenken – also der Frage nachzugehen, wie man das Image von Linz als Stahl- und Industriestadt anders und neu prägen könnte. Was weiter geschah ist Teil der zeitgenössischen Kultur- und Kunstgeschichte.

Was die Ars auszeichnet? Sie hat es geschafft, sich vierzig Jahre lang immer wieder neu zu erfinden – als großer Innovationsort, der bei aller selbstverständlich gebotenen Wissenschaftlichkeit und Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung mit zentralen Themen der Zeit, nie auf eine neugierig-spielerische Komponente vergisst. 

Noch bis 9. September gibt es Gelegenheit, sich „Out of the box“ zu begeben.

Nähere Informationen: www. aec.at

Datum: 5. September 2019 / Text und Foto: Elisabeth Mayr-Kern

 

39 Stufen im Schlosspark

Nein, es handelt sich nicht um ein Architekturkolloquium, was da im Park vor dem Schloss Traun stattfindet. Eine Kriminalkomödie ist angesagt, eben Die 39 Stufen von John Buchan & Alfred Hitchcock. Und tatsächlich sind beide Genres ebenbürtig vertreten: Spannend ist die Sache wirklich, und dank Doris Happls von Regieeinfällen sprühender Inszenierung kommt auch das Lachen nicht zu kurz.

Während der Show von Mr. Memory fällt im Theater ein Schuss, die schöne Annabella flüchtet zum gelangweilten Mr. Hannay in die Loge. Vorbei die Langeweile, denn sie ist Agentin, soll verhindern, dass streng geheime Pläne des Luftfahrtministeriums von der Organisation „Die 39 Stufen“ ins Ausland geschafft werden. Hannay kann den Tod Annabellas nicht verhindern, übernimmt ihre Mission, die ihn in einer atemlosen Verbrecherjagd durchs ganze Land bis nach Schottland, an einen Ort mit unaussprechlichem Namen, führt, wo der Kopf der Bande sitzen soll . . .

Auf seiner Reise begegnet Matthias Hacker als tougher, unglaublich cooler Mr. Hannay einer Menge skurriler Typen, von Mr. Memory und seinem cleveren Manager über echt falsche Polizisten, einen dandyhaften Milchmann und einen verwurzelten Bauern bis zu einem schrägen Ehepaar, das im Hochland ein B&B betreibt. Etwa 40 Rollen bietet der Text, nur vier Darsteller nennt der Programmzettel. Somit haben die drei anderen ausreichend zu tun, und das häufig in so slapstickhafter Manier, dass man zeitweise glaubt, in einem dieser wunderbaren, alten Schwarz-Weiß-Filme zu sitzen – aber nein, es ist wirklich live, was sich da abspielt. Julia Frisch bewältigt äußerst wandelbar fast alle Frauenrollen, um natürlich mit dem Helden zu einem Happy End zu kommen. Was Friedrich Eidenberger und Ethem Saygieder in ihren vielen Episodenrollen an komödiantischer Kraft zeigen, ist überwältigend und überstrahlt manchmal beinahe die Hauptrollen. Saygieder schafft den Spagat zwischen renitenter Putzfrau und knorrigem schottischen Bauern brillant, und Eidenberger als Kommissar und Manager zugleich mit sich selbst in enger Umarmung – ein Kabinettstück!

Ein wunderbarer, atemberaubender Abend, der viel zu schnell vergeht – da capo, bitte!

Datum: 04.08.2019, Text: Christian Hanna, Fotos: Werner Redl

Verschleiert in Helfenberg

Verfilmte Theaterstücke gibt es viele, „vertheaterte“ Filme sind, auch wenn dieses Genre deutlich zulegt, noch in der Minderzahl. Eine Novität in dieser Hinsicht ist in Helfenberg zu sehen, wo der französische Erfolgsfilm „Voll verschleiert“ von Sou Abadi unter dem Titel Manche mögen's verschleiert in der Bearbeitung von Michael Niavarani letzten Mittwoch Premiere feierte. Der Stücktitel ist kein Zufall, wollte doch Abadi schon lang eine Verwechslungskomödie nach dem von ihr geschätzten Billy Wilder – Film drehen.

Mahmoud, Ältester von drei elternlosen, arabischstämmigen Geschwistern, kommt radikalisiert aus dem Jemen zurück. Er verbietet seiner Schwester Leila den Umgang mit ihrem iranischstämmigen Freund Armand, auch das Haus darf sie nicht mehr verlassen; der kleine Bruder Sinna soll in den Jemen geschickt werden. Um Leila trotzdem nahe sein zu können, besucht Armand sie als Burka tragende Freundin. Doch dass Mahmoud sich in dieses „Wurfzelt tragende Gespenst“ verliebt, damit hat er nicht gerechnet.

Wo Niavarani draufsteht, ist Klamauk und Comedy drinnen; soviel zuviel davon, dass Kalauer den ernsten Hintergrund überdecken und fast jegliche Glaubwürdigkeit der billigen, schnellen Pointe geopfert wird. Schade um die vertane Möglichkeit einer modernen, kritischen Komödie; denn dass eine solche möglich wäre, zeigt die Szene, in der Armands linke, weltoffene Eltern plötzlich uralte, tradierte Ressentiments und Vorurteile auspacken.

Dabei ist die Produktion inszenatorisch und darstellerisch bestens gelungen. Regisseur John F. Kutil hat wieder einmal die Schwierigkeit, das die Spielfläche von drei Seiten umgebende Publikum gleich am Geschehen teilhaben zu lassen, hervorragend gemeistert. Zudem steht ihm ein homogenes, bestens aufeinander eingestimmtes Ensemble zur Verfügung. Markus Subramaniam wirkt geradezu beängstigend als fundamentalistischer Berserker Mahmoud, Mirkan Öncel als Sinna zeigt seine Überforderung mit dieser Situation deutlich. Soffi Schweighofer ist eine quirlige, entzückende Leila, die ihren Widerspruchsgeist vielleicht etwas zu wenig zeigen kann. Okan Cömert gibt einen beharrlichen Armand, den seine Liebe stark macht. Brigitta Waschnig und Manfred Stella als Armands Eltern haben sich ihren Post – 68er Geist bewahrt, immer in Diskussion und Aktion. Wenzel Brüchers Konvertit Farid zeigt eine gefährliche Spanne zwischen infantil und fanatisch.

Niavarani – Hardcore – Fans werden das Stück lieben. Noch bis zum 11. August 2019. 

Datum: 31. Juli 2019 / Text: Christian Hanna / Fotos: Reinhard Winkler

 

Reichenau, die zweite

Schon seit über 20 Jahren ist es bei den Burgfestspielen Reichenau Brauch, dass der Hauptpremiere eine Produktion für Kinder folgt. Dieses Jahr ist es eine Dramatisierung des Robin Hood – Mythos, die der oberösterreichische Autor Günter Weiß der Burg und  dem Ensemble entsprechend verfasst hat: Robin Hood und Marian

Weiß hat es vermieden, sich in kleinen Episoden und zu großer Besetzung zu verzetteln, wozu die vielen Geschichten um den Volkshelden ja verführen könnten, und sich an einen klaren Handlungsstrang gehalten, an den er die großen Themen Freundschaft, Liebe, Macht, Mut, Gier und Geld kindgerecht anknüpft. Er erzählt pointenreich, wie sich Holzkopf, der neue Sheriff von Nottingham, die Burg von Sir Richard ergaunert und Robin sie, mit starker Unterstützung der Burgherrennichte Marian, dem rechtmäßigen Eigentümer wieder zurückerobert.

Regisseurin Andrea Schnitt hat die Vorlage mitreißend und schwungvoll inszeniert, ihre teils jugendlichen DarstellerInnen zu großer Präzision und durchgängiger Textdeutlichkeit angeleitet, die angesprochenen großen Themen für junge Zusehende adäquat herausgearbeitet, die beiden Negativpole Kitsch und Unterkühlung sicher vermeidend. Sie lässt die volle Breite des großen Bühnenbereichs nutzen, Ausstatter Andreas Henter hat vom Sherwood Forest bis zum finsteren Verließ alles Nötige aufgebaut – Platz haben sie ja genug in Reichenau. Schon der Beginn mit Christian Luger als tölpelhaftem Sheriff Holzkopf und Joy Mader als seinem sich für superschlau haltenden Faktotum Jack the Wiesel hat was von shakespear'schen Rüpelszenen und begeistert das Publikum augenblicklich. Lukas Rabeder als Robin Hood und Dominik Stelzer als Little John, Wolfgang Mayrhofer als Bruder Tuck, Moritz Merten als Will Scarlett, alle liebevoll gezeichnet mit individuellen Macken, haben die Zuschauerherzen auf ihrer Seite, ebenso die quirlige Nadine Moser als kecke, selbstbewusste Marian. Zu Robins Bande gesellt sich noch der Hauslehrer Marians, ein Franzose, den Sir Richard engagiert hat, um seiner Nichte Manieren beizubringen, köstlich klischeehaft verkörpert von Simon Seher. Komplettiert wird das Ensemble von Gerhard Wahl als holzschnittartigem, düsteren Superhelden Guy Gisbourne, der eben doch nicht unbesiegbar ist, Helmut Springer als gütigem Sir Richard, Jakob Pichler, Gerhard Wahl und Kelvin Addai als einfältigen Soldaten und Frauen und Kindern, die gemeinsam mit Sir Richard im Kerker schmachten.

Dass das Publikum nicht schmachten muss, dafür sorgt ein flinkes Cateringteam in einem großen, überdachten Bereich, der allen Schutz bietet, sollte doch einmal eine Wolke brechen – ein weiterer Beitrag zum Wohlfühlfaktor in Reichenau!

25. Juli 2019/ Text: Christian Hanna/ Fotos: Franz Hochreiter

Theater im Theater

Es kann schon ganz schön viel schief gehen, wenn man sich traut, live vor Publikum aufzutreten. Ein Wunder eigentlich, dass so oft so wenig schief geht. Oder bekommen wir das vielleicht normalerweise einfach nicht mit, weil die Vertuschung etwas professioneller als bei diesem Team abläuft? Bei „Mord auf Schloss Haversham“ geht auf jeden Fall alles schief, was schief gehen kann. Inklusive Knock Out einer der Hauptfiguren.

Der englische Originaltitel des diesjährigen Sommerstückes des Kulturhof Perg - „The Play that goes wrong“ - ist wesentlich aussagekräftiger, als die deutsche Übersetzung „Mord auf Schloss Haversham“. Er beschreibt nämlich den Überbau, also das, worum es tatsächlich geht, während der deutsche Titel den Unterbau benennt. So weit, so kompliziert. Aber eigentlich ist alles ganz einfach. Denn es handelt sich hierbei um ein Stück im Stück. Im Stück wird nämlich ein Stück zur Aufführung gebracht, ein englisches Kriminalstück, ein „Whodonit“, um genau zu sein, bei dem nicht alles ganz so läuft wie geplant.

Das wiederum versuchen die „Schauspieler und Innen“ mit größtmöglichem Körpereinsatz zu vertuschen. Die Rede ist hier von Kleinigkeiten wie vertauschten Requisiten - da wird beispielsweise mit einem Schlüssel als Stift auf eine Vase als Notizbuch das Verhör notiert, einem fehlenden Kaminsims, der eigentlich eine sprichwörtlich tragende Rolle im Stück hätte haben sollen, bis hin zum Zusammenbruch der Bühne gegen Ende des Schlussaktes.

Besonders witzig: Kulturhof-Leiter Martin Dreiling in der Rolle des Sohnes des Vereinsobmanns, der zum ersten Mal auf der Bühne stehen darf und zwar als Geliebter der Verlobten des vermeintlich Ermorderten. Besonders zum Staunen: Die akrobatischen Leistungen der jungen Schauspielerin Nadine Breitfuß, die im bewusstlosen Zustand auf recht unsanfte Art und Weise von ihren KollegInnen möglichst unauffällig durch ein Fenster von der Bühne entfernt wird. Besonders skurril: Der Dialogfehler im Verhör der verdächtigten Verlobten, bei dem die Verhörte immer um eine Antwort zu weit vorne ist als der Inspektor.

Selten habe ich so viele Lacher in einem Theaterstück gehört. Selten aber habe ich auch Komödien dieser Art gesehen. Nicht ohne Grund hat das Stück 2016 den Prix Molière gewonnen, den Preis für die beste Komödie. Nicht ohne Grund ist es mittlerweile am Broadway zu sehen oder dort ein großer Erfolg. Dass der Kulturhof Perg genau dieses Stück als Sommertheater gewählt hat, war sicherlich eine publikumswirksame Idee, die durch schauspielerisches Können und gute Regie zu einer qualitativen Produktiongeworden ist. Die BesucherInnen werden es danken, denn wenn so viel gelacht wird im Theater, dann wird am nächsten Tag viel darüber gesprochen und das bringt Leute auf die Stühle, die etwas harten Stühle, wenn so viel Kritik erlaubt ist. Eine Investition in Sesselpolster könnte im nächsten Jahr nicht schaden.

„Quasi live“:  „Mord auf Schloss Haversham“ zu sehen im Schloss Auhof im Perg am 24., 25., 26., 27. Juli sowie am 1.,2.,7.,8.,9.,10.,14. August jeweils um 20 Uhr

Datum: 19. Juli 2019 / Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger

Straßenkunst im Mühlviertel

Ein Mühlviertler Speckdackel ist kein Hund, der gerne geräuchertes Schweinefleisch frisst und nördlich der Donau lebt. „Mühlviertler Speckdackel“ ist vielmehr die verballhornte Bezeichnung für ein kleines, aber feines Straßenkunstfestival in Hofkirchen im Mühlkreis im Bezirk Rohrbach.

Bereits zum 13. Mal veranstaltete die Kulturgruppe Hofis am 6. und 7. Juli ihr Festival, das alle zwei Jahre stattfindet. Auf sieben Bühnen, verteilt im Zentrum der 1500-Einwohner-Gemeinde, traten heuer ArtistInnen, MusikerInnen, JongleurInnen etc. aus neun verschiedenen Nationen auf. Dazwischen mischten sich die sogenannten Walkacts, wie zum Beispiel die Stelzengeher von Bamboomoon (Österreich),  in den Straßen von Hofkirchen unter das Publikum.

Die Menge hält den Atem an, als der männliche Teil des Duos Intrépidos aus Argentinien mit dem Einrad auf einem Seil fährt und auch noch beginnt, dabei mit Keulen zu jonglieren. Bereits davor hat seine Partnerin ihren Körper verrenkt als hätte sie keine Knochen. Von Argentinien geht die Reise weiter nach Japan: Den Tricks des Jongleurs Ace-K mit dem Diabolo vermag man mit den Augen kaum zu folgen.

Im und um das Pfarrheim werden die Kleinsten unterhalten: Drinnen gibt es Theatervorstellungen, draußen Kinderschminken, Basteln, Jonglier-Workshops und eine Seifenblasen-Show zum Mitmachen. Die Eltern lassen sich in der Zwischenzeit Kaffee und Kuchen schmecken. Generell braucht sich niemand um seine Verpflegung Sorgen zu machen: fast bei jeder Bühne gibt es auch etwas zu trinken oder zu essen. Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere sind unter den Künstlern: Am Kirchenplatz gibt es fast kein Vorbeikommen an der Menschenmenge, die die Hundeshow mit Fiona & Gioa bestaunt.

Wenige Schritte weiter, am Marktplatz, bindet der italienische Artist Fabrizio Rosseli immer wieder das Publikum mit ein, das sich recht talentiert zeigt. Respekt verdient vor allem der Herr namens Thomas, der sogar mit einer brennenden Keule jongliert. Auch das Umami Dancetheatre aus Barcelona findet gleich einige NachahmerInnen unter den Kindern im Publikum. Die beiden grundverschiedenen Tänzer begeistern unter anderem mit einer Slow-Motion-Breakdance-Version von "My heart will go on".

Offene Münder bei den hochgestreckten Köpfen beschert der finale Höhepunkt des 13. Speckdackels:  der Skywalk über den Dächern von Hofkirchen. Der Tiroler Christian Waldner spaziert auf einer nur 2,5 cm breiten Slackline, die zwischen der Kirche und einem Autokran gespannt ist, mehr als 20 Meter über dem Boden. Speckdackulär! Der einsetzende Regen und Wind sorgen für erschwerte Bedingungen. Waldner stört das laut eigener Aussage nicht: „Ich habe ja eine Regenjacke an.“ "Ein Wahnsinn", hört man zwischen Applaus und Anfeuerungsrufen aus dem Publikum.

Das nächste Mühlviertler Speckdackel findet wieder 2021 statt.
Die Künstler erhalten übrigens keine Gage, sondern nur das sogenannte Hutgeld.

Datum: 7. Juli 2019 / Text und Fotos: Georg Wageneder

Klassik am Dom

Martin Grubinger macht eine Weltreise – mitten in Linz!

Gewaltig schon der Beginn des Konzerts am Linzer Domplatz, der wieder klar macht, wer hier auf der Bühne steht: Weltklasse-Musiker mit einem Ausnahme-Schlagzeuger, die trotz individueller Höchstleistungen gemeinsam ein homogenes Ganzes abgeben. Das Percussive Planet Ensemble, die St. Florianer Sängerknaben und Weltstar Martin Grubinger eröffnen den ersten Abend der Klassik am Dom – Konzertreihe ­– mit lauen sommerlichen Temperaturen und heißen Rhythmen.

Präzise erfolgen beim Intro die Wechsel von Dynamik und Rhythmik, aufeinander hören und musizieren bekommt hier eine neue Qualität. Weiter geht es mit John Williams und einer Special Edition für das Percussive Planet Ensemble: von Star Wars über Superman bis zu Harry Potter. In dem 20-minütigen Musikstück arrangiert Grubinger bekannte Filmmelodien und lässt dazu Filmszenen im Kopf entstehen. Gleich im Anschluss erfüllt der Ausnahmekünstler den Domplatz mit einem großen Jazz-Medley mit Gospel, Soul, Funk, Ragtime und Dixieband-Elementen. Grubinger entführt in die Welt der Gipsy-Musik, und auch arabische und nordafrikanische Reise-Etappen werden gekonnt unternommen.

Unterhaltsam dazwischen die Videoclips mit Dirk Stermann, die den Musikern Zeit zum Umbau und dem Publikum Zeit zum Durchschnaufen bieten. Dass Schlagwerk, Percussion, Trommeln und Triangel spielen harte Arbeit ist und viel Können verlangt, wird spätestens hier allen klar. „Das ist ja anstrengend“, sagt Stermann kopfschüttelnd und nimmt´s gelassen. Seine Selbsterkenntnis erheitert das Publikum. Ganz nebenbei werden dabei besondere Orte und Plätze in Oberösterreich in den Mittelpunkt gerückt: zum Beispiel Bad Ischl, der Wolfgangsee, die Donaufähre in Ottensheim und die Musikschule in St. Martin im Innkreis. Dass in fast jedem Dorf in Oberösterreich eine Musikschule steht und die Musikschullehrer/innen fast alle Instrumente unterrichten können, beeindruckt nicht nur Dirk Stermann. Berührend die Musik nach dem Wechsel in den Mariendom: vor dem Hochaltar wird Johann Sebastian Bach gehuldigt, mit dabei: die St. Florianer Sängerknaben - und zarte Arrangements, die zu Herzen gehen. Für Rhythmus im Blut und große Gefühle sorgen Grubinger und das Percussive Planet Ensemble dann mit „Libertango“ von Astor Piazzolla und „Der Balkan“, einem Stück, das die Zuhörer/innen in den Osten Europas entführt.

Martin Grubinger Senior führt an diesem Abend den Taktstock, singt und tanzt und ist für jeden Schabernack zu haben. Das schafft Leichtigkeit und Unbekümmertheit, die ansteckend ist. Zum „Amen“ folgen auch die Konzertbesucher/innen den klaren Anweisungen des Vaters von Martin Grubinger, der je länger der Abend dauert, immer jünger und energiegeladener wirkt.

Als Zugabe lässt sich Martin Grubinger als Musiker, der in Oberösterreich lebt und begeisterter Europäer ist, dann noch ein besonderes Medley einfallen: von Hoamatland über die Bundeshymne – toll arrangiert mit den großen Töchtern – bis zur Europahymne „Ode an die Freude - Freude, schöner Götterfunken …“ schaffen die Musiker einen Bogen, der auch das Publikum erreicht und zum Mitsingen einlädt. Nach zwei Stunden endet das Konzert: beglückte Zuseher/innen verlassen den Domplatz und den Mariendom, der an diesem Abend mit besonderen Lichtinstallation wieder ein bißchen mehr ins Blickfeld der Besucher/innen gerückt ist.

Am Sonntag, 7. Juli geht es mit Tom Jones am Domplatz weiter. Katie Melua, Rolando Villazon und Konstantin Wecker folgen ihnen bis 19. Juli.

www.klassikamdom.at

Datum: 4. Juli 2019 / Text und Fotos: Elisabeth Leitner

Vom Biest zum Prinzen

Am 30. Juni fand im Rahmen der Stiftskonzerte das traditionelle Familienkonzert im barocken Gartensaal des Stifts St. Florian statt. Etwa fünfzig Kinder (und ihre Eltern/Großeltern) lauschten gebannt, wie Betsy Dentzer, begleitet vom CrossNova Ensemble, "Die Schöne und das Biest" darbot.

"Ma Belle, bin ich wirklich so hässlich?"

"Ja. Aber nur äußerlich. Innerlich bist du schön."

"Willst du mich heiraten?"

"Nein!"

"Die Schöne und das Biest", ursprünglich ein französisches Volksmärchen aus dem Mittelalter, war schon Stoff von Opern, Musicals, Filmen, Fernsehserien und sogar Videospielen. Die Luxemburger Erzählerin Betsy Dentzer und die MusikerInnen Sabine Nova (Violine), Hubert Kerschbaumer (Klarinette), Leonard Eröd (Fagott) sowie Rainer Nova (Klavier) vom CrossNova Ensemble – alle übrigens barfuß – fesselten ihr junges Publikum mit einer kindgerechten Bühnenversion.

Zu Beginn gab es zwar verwirrte Blicke, als Betsy Dentzer ganz originalgetrau auf Französisch zu erzählen begann. "Aber das versteht doch hier niemand", wurde sie rasch von Sabine Nova aufgeklärt. "Ich schon!", rief zwar ein Mädchen aus dem Publikum. Nachdem sie aber eine der wenigen war, folgte die deutsche Erzählung über Belle, die schöne Tochter eines verarmten Kaufmanns, die von ihrem Vater einem Biest versprochen werden musste.

Untermalt mit Musik von (unter anderem) Maurice Ravel und Claude Debussy schilderte Betsy Dentzer mit großem Körpereinsatz, wie das Biest der schönen Belle nach anfänglicher Angst zwar immer sympathischer wurde, eine Heirat aber aufgrund seines hässlichen Aussehens für sie ausgeschlossen ist.

Am Ende kommt es natürlich, wie es kommen muss: Durch einen Kuss der Schönen verwandelt sich das Biest zu einem Prinzen und es folgt doch noch die Hochzeit. Und auch für die Kinder gibt es ein Happy End: Beschenkt mit Rosen, Luftballons und Süßigkeiten besprechen sie am Heimweg das Erlebte.

Die nächsten Stiftskonzerte finden am Samstag, 6. Juli, mit dem Schuhmann Quartett in Kremsmünster und am Sonntag, 7. Juli, mit dem Ensemble Eurowinds in St. Florian statt.

Datum: / Text: / Foto: 30. Juni 2019 / Text und Fotos: Georg Wageneder

Harte Bauern-Kost

Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden, um das Theater Meggenhofen zu beschreiben. Für das Gebäude nämlich. Es ist so bezaubernd. Es ist so urösterreichisch. Es ist Zeuge einer Kultur, die fast niedergegangen ist. Und es ist perfekt für Freilichtaufführungen. Noch dazu für dieses Stück.

Heuer feiert er seine 50-jährige Nutzung als Theaterort, der 400 Jahre alte Hausruck-Vierseithof, umrahmt von Kornfeldern und Wiesen. Unter der künstlerischen Leitung von Schauspieler Fritz Egger, als Kind in Meggenhofen zum ersten Mal mit den Brettern, die die Welt bedeuten, in Berührung gekommen ist, inszeniert Christine Wipplinger Karl Schönherrs (1867-1943, „Der Weibsteufel“) „Erde“. Egger steht dabei selbst auf der Bühne, als Hannes, seines Zeichens knapp über 50, aber immer noch Knecht am Hof des Vaters Grutz. Warum? Weil erstens diesen „die Erde noch trägt“ und er zweitens seinen Sohn nicht für einen Bauern, sondern für „so einen weichen Batzen“ hält und er diesem daher Grund und Boden nicht abgeben will.

Eigentlich passt das für Hannes auch so. „Essen, Arbeit und mit den Hühnern ins Bett. Mehr braucht der Mensch nicht.“, wiederholt er immer wieder. Bis eines Tages auf der Suche nach einer Frau sein Jugendfreund, der verwitwete Eishofbauer, mit seinen drei Kindern auf den Grutzenhof kommt und Hannes schlagartig bewusst wird, dass der Mensch vielleicht doch auch noch etwas anderes zum Leben braucht. Etwas, das er haben hätte können, aber dann doch nicht bekommen hat, weil sein Vater nicht zur Seite treten wollte: Eine Frau. Dabei hätte die Magd Trine, mittlerweile selbst in die Jahre gekommen, den Hannes heiraten wollen, doch nur als Hofbesitzer, nicht als Knecht.

Plötzlich aber scheint die Chance für Hannes zum Greifen nahe: Grutz, der „alte Heide“, wie er genannt wird und der sagt, er habe eine viereckige Seele, die beim runden Vater-Unser-Loch nicht raus könne, wird von einem Pferdehuf auf der Brust getroffen und liegt im Sterben. So macht sich Trine gleich bereit, hat sie doch ein Leben lang auf diesen Moment gewartet. Aber Hannes will sie jetzt nicht mehr. Er will Mena, die junge Haushälterin, denn nur sie kann ihm geben, was ihm fehlt: Kinder. Und Mena will Hannes. Er hat jetzt, was sie will: „Ich will nicht in die Welt. Einen Hof und eigenen Boden, das will ich.“

Und bereits während Grutz noch im Sterbebett liegt, zimmert Hannes eine Wiege und wächst in Mena ein Kind. Dass der Alte allerdings nach dem Winter plötzlich doch wieder von der Erde getragen wird, damit konnte nun wirklich keiner rechnen. Der maßgetischlerte Sarg steht neben der Wiege schon bereit.

So nimmt Mena den Hannes doch nicht, sondern den Eishofbauer, der macht sie nämlich sicher zur Hofbesitzerin, bei dem kriegt sie nicht „die Katze im Sack“, wie dieser mehrmals beteuert, auch wenn er lediglich drei Kühe und einen Boden, der das halbe Jahr über vereist ist, bieten kann. Und der Bergbauer nimmt sie auch trotz Hannes-Kind im Bauch, schließlich braucht er jemanden, der auf seine drei Buben schaut: „Was wächst ist Gottes Gab. Ich nehm dich, wie du bist.“

Das ist alles ziemlich hart, was da so gezeigt wird in diesem Stück, dessen Untertitel -„Komödie des Lebens“ - schon recht böse ist. Aber wohl ist das alles nicht weit weg von der bäuerlichen Realität, bis hinauf in die Gegenwart. Und im Innenhof dieses Hausruckviertler Hofes, mit Geranien am Balkon (von dem aus übrigens der Meggenhofener Kirchenchor das Stück mit von Eike Duit interpretierten Volksliedern schön-schaurig untermalt) wird es so richtig gegenwärtig.

Erde, zu sehen an folgenden Tagen: 22., 29. Juni, 6. und 13. Juli

Zudem lädt ein hochwertiges Gastspielprogramm zu Kulturgenuss zwischen Feldern und Wiesen ein!

Datum: 17. Juni 2019 / Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger

Jugend braucht Bühne

130 Jugendliche aus fünf Ländern sind am 13. Juni in Kremsmünster eingezogen um bis Samstag zu zeigen, dass sie es drauf haben - das Theater-Machen, das Tiefgründig-Sein, das Humorvoll-Sein, das Leben. Die jungen Leute beweisen damit, dass die Bühne die Kraft hat, über sich hinauswachsen zu lassen, reif und selbstsicher zu machen.

Nein, diese Fähigkeit, sie lässt sich nicht messen, berechnen oder in Tabellen darstellen. Mathematik, Deutsch, Naturwissenschaft - keine Frage, wesentliche Skills fürs Leben. Aber die Schauspielerei auch! Doch trotz enormer Bedeutung für die Entwicklung eines jungen Menschen kommt sie in den meisten Schulen leider nach wie vor viel zu kurz. Dabei lehrt sie, das Leben und die einen umgebenden Personen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, emphatisch zu sein, Gefühle zu deuten und diese auch selbst zum Ausdruck zu bringen. Sie lehrt auch, was harte Arbeit bedeutet, Durchhaltevermögen, Teamwork, Mut und Engagement. Von Seiten der Jugendlichen, aber auch von Seiten der BetreuerInnen.

Dass dieses Int. Jugendtheaterfestival bereits zum dritten Mal in Kremsmünster über die Bühne gehen kann, ist von großer Bedeutung. Für die Jugendlichen selbst aber auch für unsere Kultur, aus der heraus diese unterschiedlichen Impro- und Theatergruppen überhaupt erst hervorgehen können. Es zeugt von hoher intrinsischer Motivation, besteht das Betreuungspersonal doch großteils aus Freiwilligen. Freiwillige Theaterbegeisterte, die diese Begeisterung an die nächsten Generationen weitergeben möchten. Dass dies auf fruchtbaren Boden fällt, hat bereits die Vorstellrunde aller zehn Gruppierungen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Russland gezeigt. So viel Lust am Spiel, so viel Energie, so viel „Selbst-Verständlichkeit“, die im Theatersaal im Stift Kremsmünster zum Ausdruck kam.

Es macht große Freude, junge Erwachsene zu sehen, die mit derartigem Engagement und Authentizität an einer Sache dran sind. Wenn diese Arbeit dann in Form eines Festivals wie diesem zu internationalem Austausch und Präsentationsmöglichkeiten führt, dann macht das gleich doppelt Freude. Denn es zeigt den Jugendlichen, dass sie in einer Gesellschaft leben, in der so etwas geschätzt wird. In der es Bedeutung hat, was man tut. Und in der man selbst Bedeutung geben kann, um mit dem Inhalt des Eröffnungsstückes zu sprechen, präsentiert vom Jugendtheater Turgi aus der Schweiz. Mit „Ist nicht alles?“, angelehnt an den heftig umstrittenen Roman „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ der dänischen Autorin Janne Teller, thematisiert es die „Bedütig“ des eigenen Daseins, der Welt an sich und konfrontiert auf hohem schauspielerischem Niveau in Form einer abwechslungsreichen, mit schönen Bildern durchzogenen Aufführung das Publikum mit der Frage nach dem Sinn des Lebens.

Diese Festivaltage, sie werden die Jugendlichen ein Leben lang prägen, wie überhaupt die gesamte Zeit, die sie mit Theaterspielen verbringen. Fast möchte man selbst wieder jungendlich sein, wenn man diese tollen 13 bis 18-Jährigen sieht.

Von 9.30 Uhr bis in die Abendstunden hinein sind in Kremsmünster von 13. - 15. Juni 2019 klassische wie auch selbstgeschriebene Stücke und Impros zu sehen.

Hier können Sie sich ein neues, ein gutes Bild von der Jugend von heute machen!

Datum: 13. Juni 2019 Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger

INNtöne 2019

Am 7. Juni öffnete Paul Zauner Scheune und Ställe seines Vierkanthofes im Innviertel erneut für das Jazzfestival INNtöne, das rund 1000 Besucherinnen und Besucher nicht nur wegen des hochkarätigen Lineups angezogen hat, sondern auch wegen des außergewöhnlichen Ortes im ländlichen Idyll: Ein irgendwie virtuoser genius loci, der sich in alle Richtungen hin öffnet: musikalisch, menschlich und – nebenbei bemerkt – auch kulinarisch.

Wer Jazz liebt, sollte sich das nicht entgehen lassen. Wer ihn nicht liebt, erst recht nicht. Denn was hier drei Tage lang am Pfingstwochenende am Programm stand, spielte sich jenseits gängiger Klischees eines Genres ab, das ja immer auch ein bisschen unter Generalverdacht steht, ein schwer zu verstehendes zu sein. Doch von Verständnisschwierigkeiten war hier keine Spur. Im Gegenteil. Die musikalischen Darbietungen erzählen ohnedies von selbst. Mal im Stillen mit subtilen Anspielungen wie der südafrikanische Weltstar Ibrahim Abdullah, der zur Eröffnung mit einem Piano Solo konzertierte, mal ordentlich laut und mit Nachdruck wie das österreichische Fusion Trio FAT, das gestern, Sonntag, dem Festival mit jazzrockigem Sound im ehemaligen Schweinestall, dem St. Pigs Pub, quasi den Garaus gemacht hat.

Dazwischen lagen über zwanzig weitere Acts, mit denen Festivalkurator Paul Zauner die Bandbreite der aktuellen heimischen und internationalen Jazzszene abgebildet hat – von Newcomer bis zur Weltspitze. Und hier verbirgt sich wohl auch der Reiz des Festivals. Vertrautes mischt sich mit (noch) nicht Gehörtem und zwar auf landwirtschaftlich geprägtem Terrain. So hat etwa das polnische Jazzkollektiv EABS am Samstag in einer weiteren ausrangierten Stallung, dem „Blue Horse Club“ für eine musikalische Überraschung gesorgt und mit traditionellem Jazz aus Polen, den das Septett mit weiteren Genres und modernem Sound zusammen bringt, das Publikum kollektiv zum Tanzen gebracht.

Oder aber auch das junge österreichische Quintett chuffDRONE, das durch kluge Kompositionen und spielerischen Raffinessen zu einem Klangkörper avancierte, der sich spielfreudig zwischen Kammermusik und Improvisation bewegte, bevor die Bielefelder „Electric Ulmenwall Kollektiv“ im Anschluss im Blue Horse Club mit einer schweißtreibenden Performance für tanzbaren Sound mit spannenden live Samples gesorgt haben.

Derweil gaben sich in der großen Scheune internationale und österreichische Top Formationen die Klinke in die Hand. Auf Abdullah Ibrahim folgten The Como Mamas (USA), auf Brian Marsella (USA) das Delvon Lamarr Organ Trio (USA) und Supersonus – The European Resonance Ensemble (D/I) und auf Toninho Horta & Rudi Berger (BRA/AUT) der junge Londoner Ausnahmetubist Theon Cross sowie David Helbock´s Random Control (AUT), um nur einige zu erwähnen.

Und apropos Erwähnung: Das Festival bietet einen gut organisierten shuttle service und Mitfahrbörsen an. Und wer lieber das ganze Wochenende am Land verbringen möchte, kann rund um den Bauernhof in familienfreundlicher Atmosphäre sein Zelt aufschlagen. So wird das historische Bauernhaus einmal jährlich zu einem (welt)offenen Vierkanthof, der den Jazz nicht nur musikalisch, sondern auch als eine Lebenshaltung zelebriert.

Datum: 10.06.2019, Text und Foto: Eva-Maria Bauer

Sommerlicher Auftakt

Strahlender Sonnenschein, Eis & Jazzmusik: Der Linzer Schlossberg stand gestern Abend ganz im Zeichen des Auftakts in den OÖ. Kultursommer. Viele FestivalveranstalterInnen, wie z.B. Harald Wurmsdobler von der Pramtaler Sommeroperette oder Georg Föttinger vom Gustav Mahler Festival Steinbach am Attersee, KünstlerInnen wie z.B. Eva Bosch oder Robert Oltay sowie zahlreiche Ehrengäste fanden sich unter dem Motto: "60 Festivals. Ein Sommer. Ein Land " bei hochsommerlichen Temperaturen im Freiraum des Schlossmuseums ein.

Durch den angenehmen Abend führte Moderatorin Katharina Mauerer, die zu einer kurzen Talk-Runde mit den heurigen „Jubiläumsfestivals“: 25 Jahre Theaterspectacel Wilhering (Joachim Rathke), donauFestwochen Strudengau (Präsident Konsulent Walter Edtbauer) und Musikfestival Steyr (GF Eva Pötzl) auf die Bühne einlud. Herr Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer hat die Marke „OÖ. Kultursommer“, „eine Premiummarke des Kulturlandes Oberösterreich“, mit einer kurzweiligen Rede eröffnet. Umrahmt wurde der Abend mit den modernen Klängen des „Max Plattner Trios“. Das von den Gästen einhellig hochgelobte köstliche Bauernhofeis Buchkirchen fand den ganzen Abend hindurch regen Absatz. Insgesamt waren es ideale Bedingungen, die einen regen Austausch und interessante Gespräche zwischen den Gästen aus allen Bereichen der heimischen Kulturlandschaft ermöglichten.

Datum: 6. Juni 2019 / Text: Astrid Windtner / Fotos: Land OÖ/ Ernst Grilnberger; EMK

 

 

Kultur für alle

Von 3. -7. Juni lädt das internationale inklusive Kulturfestival „sicht:wechsel“ ein, Kultur für alle zu erleben: mit und ohne Beeinträchtigung,  für jung und alt, groß und klein. Tanz, Musik, Theater, Ausstellungen und Lesungen sowie spartenübergreifende Aktionen und Workshops werden nun in ganz Linz geboten. Bei der Eröffnung im Linzer Musiktheater zeigte sich eindrucksvoll, welch kulturelle Kraft und Lebensfreude die Akteure zu bieten haben.

Wenn Herr Moser das „Mutlied“ anstimmt und der A-Capella-Chor Thonkunst Leipzig dazu den Refrain singt, lässt das niemand kalt, so auch gestern bei der Eröffnung des Festivals Sichtwechsel im Musiktheater. Das Mutlied machte auf das Motto des diesjährigen Sichtwechsels aufmerksam: „Aufbruch in ein neues Selbstbewusstsein“ nannte es Festivalleiter Alfred Rauch.

Zahlreich war das Publikum und groß die Begeisterung als einige der Highlights der kommenden Woche präsentiert wurden. Darunter auch die „Ich bin O.K. Dance Company Wien“ oder die „grooving company“. Egal, ob auf der Bühne das sanfte Kennenlernen von Menschen mit und ohne Beträchtigung dargestellt wurde oder ein Michael Jackson-Song zum Mittanzen und -klatschen animierte, die geballte Kraft und das Einfühlungsvermögen der Tänzerinnen und Tänzer am Podium beeindruckten. Mit Präzision und Spielfreude ließ die Band „together“ ihre Trommeln und Percussion-Instrumente sprechen. Statt vornehmer Zurückhaltung ließ sich das Publikum begeistern und zeigte dies auch lautstark.  

Erfrischend die Moderationen von Michael „Bibi“ Wilhelm und Alexandra Giampaolo, die den Ehrengästen wie Intendant Hermann Schneider, Kulturstadträtin Doris Lang-Mayrhofer, LH a.D. Josef Pühringer und Obfrau Gertraud Assmann so manches Geheimnis entlockten. Wussten Sie, das die Kulturstadträtin gerne ihre Stimme erhebt und nur aus Zeitmangel nicht in einem Chor mitsingt? – Chancengleichheit, barrierefreien Zugang für alle schaffen, Kreativität ermöglichen sind Eckpfeiler des Linzer Kulturentwicklungsplans, darauf wies Lang-Mayrhofer in ihrer Begrüßungsrede hin. Vieles davon wird bei diesem Festival gelebt und wird durch Festivals wie diese weitere Kreise ziehen. Intendant Schneider begrüßte als Hausherrr das Festival-Team zum ersten Mal im Linzer Musiktheater – und sicher nicht zum letzten Mal, wie er ausdrücklich sagte. Kultur für alle zu bieten, ist auch in den öffentlichen Einrichtungen ein Gebot der Stunde und findet auch in den Spielplänen immer wieder seinen Niederschlag.

Insgesamt 14 Projekte können nun in diesen Tagen von Kulturschaffenden umgesetzt und vom Publikum besucht werden. Viele Linzer Häuser haben bis 7. Juni ihre Türen geöffnet. Neue, unerwartete und berührende Produktionen und Workshops warten nun auf interessierte, neugierige Zuschauerinnen und Zuschauer.

www.sicht-wechsel.at

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Datum: 04. Juni 2019 / Text & Fotos (4): Elisabeth Leitner

Raus aus der Blase

Künstliche Intelligenz und Kreativität treffen auf menschlichen Gestaltungswillen und Schöpfergeist. Welche Chancen, Grenzen und Gefahren tun sich auf? Wie wird die Welt zu einem besseren Ort für alle? Das sind nur einige der Fragen, die beim Ars Electronica Festival  2019 gestellt und künstlerisch bearbeitet werden – Das Festival hat seine Türen geöffnet, Menschen aus aller Welt kommen nach Linz - als Künstler/innen und als Festivalbesucher/innen. Von 5.- 9. September wird die ganze Stadt bespielt - und zudem das Stift St. Florian als externe Festivalort für Musik eingebunden.

In der Postcity wurlt es am ersten Festivaltag. Schon um 10 Uhr früh stehen am Donnerstag, dem 5. September die Besucher/innen aus aller Welt Schlange. Die kreative Spielwiese des Ars Electronica Festivals ist eröffnet, der Titel ist Programm: „Out of the box“  – raus aus der Komfortzone, raus aus der eigenen Blase. Der Untertitel des Festivals „The Midlife Crisis oft he Digital Revolution“ wirft auch einen Blick auf 40 Jahre Geschichte und Entwicklung: die Ars Electronica ist heute das größte Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft in Europa. Was ist geblieben von der digitalen Revolution, von der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine – und wie verändert künstliche Intelligenz heute unser Leben? Haben sich die Lebensbedingungen auf dieser Welt für alle verbessert? – Das sind nur einige der Fragen, die bei Workshops, Ausstellungen, Installationen, Videos und Symposien aufgegriffen und diskutiert werden.

Mut, Neugierde, kritisches Denken und die Bereitschaft die eigene Komfortzone zu verlassen, brauchen Künstler/innen beim Entwickeln und Umsetzen ihrer Ideen. Das fordert auch die Festivalbesucher/innen, die herrlich viele Spiele, Installationen, Animationen ausprobieren und sehen können. Der „homo ludens“ wird beim Festival auf jeden Fall wachgeküsst. Vor einem Handy mit dem Kopf wild auf und abwippen, um damit die Musik aus den Boxen zu verändern – das trauen sich nicht alle. „It looks stupid“, sagte eine Festivalbesucherin. „Let´s be stupid und make musik“, entgegnet der Festival-Mitarbeiter lachend. Die Mitarbeiter haben eine wichtige Funktion: nicht alle Spiele, Animationen, Installationen erschließen sich von selbst. Die Einführungen helfen beim Ausprobieren, etwa der Hängematte, die Gefühle der darin Liegenden auf Leinwand überträgt und beim Akt der Katharsis farblich dazu passende Plastikteilchen ausspuckt. Spiele, die sich mit Verteilungsgerechtigkeit (Otelo) oder mit dem Leben geflüchteter junger Menschen beschäftigen und mithilfe von Social Media eine andere Wahrnehmung auf sie ermöglichen sollen (Stahlstadt online) sind ebenso zu finden wie ein weiblicher Roboter mit menschlichem Gesicht, der malt und zeichnet.

Wer sich von der Postcity, dem Zentrum des Ars Electronica Festivals auf den Weg in die Stadt macht, kann sich bei 14 weiteren Stationen inspirieren lassen. Vom Musiktheater, Mariendom, OÖ.Kulturquartier, Moviemento, Salzamt und Lentos bis zur Stadtwerkstatt und Stadtpfarre Urfahr wird Programm geboten. Im Stift St. Florian, eine der Wirkungsstätten von Anton Bruckner findet das „AI x Music Festival“ statt. Persönlichkeiten wie Hermann Nitsch, Josef Penninger, Renata Schmidtkunz und Markus Poschner werden am Sa., 7. September ab 14 Uhr über die Möglichkeiten und Grenzen von künstlicher Intelligenz und dem Lernen mit und an Maschinen diskutieren, auch Installationen und Konzerte sind geplant, so wird Glenn Goulds Klavierspiel mithilfe komplizierter Berechnungen wieder hörbar gemacht. Bis Mo., 9. September wird noch Programm geboten. Also, runter von der Couch, raus aus der Komfortzone!

Datum: 6. September 2019 / Text und Fotos: Elisabeth Leitner

Literaturlust am Land

Vier Tage Literatur - in Schlierbach. Für alle, die keine Ahnung haben, wo dieses oberösterreichische Dorf liegt: Bezirk Kirchdorf an der Krems, umgeben von saftigen Wiesen, bekannt durch sein Stift samt Käserei und in österreichischen Supermärkten gut vertretenem „Schlierbacher“ „Stinkerkäse“, wie er in vielen Familien liebevoll genannt. Genau dort nun geht es in diesen späten Augusttagen literarisch hoch her. Den Auftakt machte niemand geringerer als Ilija Trojanow.

„Nach der Flucht“ lautet der Titel des 2017 im Fischer Verlag erschienen Buches, mit dem der gebürtige Bulgare und Wahl-Wiener Ilija Trojanow in Schlierbach am Donnerstagabend die Eröffnungslesung beging. Nur zu elf Prozent sei dieses Buch autobiografisch, auch wenn viele meinen, es sei es zu 100 Prozent, so der Autor. Das dünne Bändchen beschreibt Innenansichten zum Thema Flucht, ein Akt, eine Prozedur, der bzw. die für jeden etwas anderen bedeute. Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller, Verleger und Übersetzer findet vor einem vollkommen vollen Schlierbacher Theatersaal viel Zustimmung für seine Äußerungen, die über politischen Ideologie-Begriffen wie links und rechts zu stehen scheinen. Der Autor umkreist dabei Augenzwinkerndes vermischt mit sehr viel Ernst. Als Beispiel sei hier die Antwort Trojanows auf die ihm immer wieder gestellte Frage nach seinen Wurzeln erwähnt: „Ich bin kein Baum.“

Ilija Trojanows Lesung stellte den Anfang des literarischen Festivals „4553“ dar. Es folgen drei weitere Tage voller (Gegenwarts-)Literatur mit u.a. Thomas Arzt, Lydia Haider, Olga Flor, Judith W. Taschler, Vea Kaiser, Wladimir Kaminer. Dazwischen, davor, danach - Musik und Diskussionen. Ein ausgeklügeltes Programm also, dass die Veranstalter, die „Literarischen Nahversorger“, die heuer ihr 20-Jähriges feiern, ihrem stetig wachsenden Publikum bieten. Und auch für qualitativ wertvolles Kinderangebot ist gesorgt. Alle Details hierzu finden sich unter https://www.literarischenahversorger.at/festival-pdfs.html

Die angesprochenen Literarischen Nahversorger, die sollten an dieser Stelle noch kurz vorgestellt werden. Es handelt sich hierbei um eine Gruppe literaturbegeisterter „Landmenschen", die es sich zum Ziel gesetzt haben, Literatur aufs Land zu bringen. Seit nunmehr 20 Jahren werden zu diesem Zweck von den Nahversorgern mehrmals jährlich Lesungen in Schlierbach organisiert, begleitend wird eine Zeitschrift herausgegeben. Die Festschrift zum 20-Jahr-Jubiläum ist voller Texte deutschsprachiger Schriftsteller, die dieses Projekt hochleben lassen möchten - von Michael Köhlmeier über Barbara Frischmuth bis hin zu Reinhard Kaiser-Mühlecker. Vom privaten Literaturzirkel zur beständigen kulturellen Einrichtung hat sich das Team rund um Bernhard Samitz (1963-2008), Gerhard Stiftinger, Elisabeth Kumpl-Frommel, Christian Loikits, Friederike Zillner, Andrea Danner, Christa Huemerlehner, Elisabeth Baldauf, Doris Meixner, Ingrid Uhl also in der Region entwickelt. Zu Recht, wie einmal mehr das Programm dieses Festivals zeigt.

Datum: 29. August 2019 / Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger

Tanz mit Bruckner

Zwei in einem bot die Eröffnung der Brucknertage St. Florian am 18. August bei Hochsommerwetter im fortgeschrittenen OÖ Kultursommer. Eine doppelte Innovation sozusagen. Einerseits eine vertanzte Bruckner Symphonie, andererseits die Aufführung einer Reminiszenz an Bruckners Werk. Beides beeindruckte - sichtlich, spürbar, hörbar - trotz drückender Hitze im vollen Saals des Stiftes. Aber Freud und Leid sind ja bekanntlich nah beisammen. Welches Werk könnte da besser passen als jenes von Bruckner. Er ist schließlich einer der Meister der musikalischen Darstellung des Facttenreichtums der menschlichen Gefühle.

Es ist der Mensch, der im Zentrum des Werkes des Komponisten Anton Bruckner steht. Bruckner, der selbst wiederum sein Schaffenszentrum im Stift Sankt Florian hatte, schrieb alles das, was Menschsein ausmacht, in Noten um. Prof. Rose Breuss schrieb diese Noten in zeitgenössischen Tanz um. Die dabei entstandene Choreografie, dargebracht vom Tanzensemble der Anton Bruckner Privatuniversität Linz, begleitete oder besser „verbilderte“ die diesjährig im Zentrum der Brucknertage stehende Symphonie, nämlich die zweite, auf beeindruckende Art und Weise.

Sie kamen dabei alle an, die Emotionen. Die Zerrissenheit, die Zweifel, die Freude, die Wut. Sie wurden mit sprichwörtlich Haut und Haar, mit Schweiß und Muskeln, mit Mimik und Gestik zu Bild und Bewegung. Die Tänzerinnern und Tänzer aus aller Welt brachten an Hand von Bewegungsmustern aus der Tanzhistorie, die verwoben wurden mit der Historie und dem Ambiente des Marmorsaales des Stiftes, dessen Geschichte 300 Jahre zurückgeht und begründet wurde durch die damalige Friedensfindung, all das, was Bruckner mit seiner Musik erzählen wollte, zum Ausdruck. Der nach oben gerichtete Zeigefinger, der nach oben gerichtete Blick als wiederkehrendes Bewegungsmoment, der Mensch in seiner Funktion als Betrachter, als gegenseitiger Helfer, als Verehrer, als Gegenpart. Der Verlorene, der Gefundene, der Verliebte. Die immer wieder aufkeimende Hoffnung, die Rettung, das Zerwürfnis. All das schrieben die neun TänzerInnen in ihren Solis, Duos und Gruppenchoreografien ein. Oh Mensch, welches Wesen bist du? Wonach strebst du? Immer wieder auch nach…

Frieden, der ein tiefes menschliches Bedürfnis darstellt, wenngleich das Gegenteil ebenso alltäglich ist. Damals wie heute. Aber Streben nach Frieden, das ist das Ziel. In der Musik, im Tanz, im Menschsein, im bei Gott sein. All diese Gedanken kommen auch auf beim Zuhören der beiden Pianisten - Till Alexander Körber und Olexandre Popov - , die auf virtuose Art und Weise im klassischen Stil - auf zwei Klavieren - die zweite Symphonie darbrachten.

Nach der zweiten Symphonie folgte im Rahmen der Eröffnung der Brucknertage 2019 die Uraufführung der „Antworten auf Bruckner“ des 1988 in Linz geborenen Linzer Komponisten Ralph Mothwurf, der mit seiner Musik neue Wege beschreitet. Wege ohne Genregrenzen. Der sich gerne einlässt. Auf Jazz, auf Klassik, auf Neue Musik und der in der Arbeit mit dem Werk Bruckners ebenso die starke Bezugnahme auf die menschlichen Gefühle herausstreicht. Mothwurf isoliert, er setzt neu zusammen, nimmt Bezug im seinem brucknerspezifischen Werk, das die einzelnen Teile der zweiten Symphonie reflektiert.

Seit 1997 wird jährlich in Sankt Florian das Werk Bruckners gehuldigt. Eine Woche lang. Auf immer wieder neue Art und Weise. Mit immer wieder neuen Facetten und mit namhaften Künstlerinnen und Künstlern. Die Eröffnung diente auch in diesem Jahr als Auftakt zu zahlreichen Veranstaltungen, die unter das Motto „Die Vision einer Symphonie“ heuer die bereits mehrfach erwähnte Zweite in den Mittelpunkt stellen und alle einen Besuch verdient haben. Nähere Infos unter www.brucknertage.at

Datum: 19. August 2019 / Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger

Ka schware Partie

,Am Freitog auf'd Nocht montier i die..."
Nein, Ski waren keine auf die zahlreichen Autos montiert.
"...und dann begib i mi..."
Nein, weder ins  Zillertal noch nach Zell am See, sondern nach Clam.
"Weil durt auf der Burg ob'm haum's immer a leiwaunde Musik"
Am Freitag (mit einer Wiederholung am Samstag) wurde die heurige Konzert-Saison mit einem Austropop-Tag beendet.

"Da kummt die Sunn, da kummt die Sunn, I gfrei mi, des is klass"
Eröffnet wurde bereits am Nachmittag von Schifkowitz (dem zweiten S von STS) - und auch die Sonne war gekommen. Bei bestem Sommerwetter stimmte er das Publikum ein, ehe er wieder ham nach Fürstenfeld wollte.
Auf ihn folgte Norbert Schneider mit wienerischem Swing und Blues und Reggae. Take it easy!

Wolfgang Ambros kam mit Stock auf die Bühne. Vermutlich Gezeichnet vom Lebm, aber trotzdem Für immer jung.
Langsaum wochs ma zamm, dachten sich die Gäste auf der dichtgedrängten, ausverkauften Meierhofwiese. Mit starker Stimme präsentierte Ambros eine Stunde lang seine größten Hits. Beim letzen Song, Schifoan, musste er gar nichts machen, denn hier wird alles vom Publikum gesungen.
Austropop hat ja den Vorteil, dass man - zumindest ab einem gewissen Alter - jede Zeile auswendig kann.

Als nächstes kommen die Märchenprinzen von der EAV auf die Bühne. Auch von ihnen kann man natürlich jeden Song auswendig - im Unterschied zur Kindheit bzw. Jugend vor mehr als dreißig Jahren erkennt man nun auch die Ironie bzw. die Gesellschaftskritik in den großartigen Reimen, die man früher nur mitgesungen hat.
Klaus Eberhartinger erinnert etwa daran, dass das nach Tschernobyl erschiene Lied Burli  in Deutschland "wegen Radioaktivität keine Radioaktivität" bekommen hat, also nicht gespielt wurde.

Mindestens eine Generation jünger sind die Hits (und auch die Musiker) von Seiler & Speer, die Textsicherheit beim Publikums ist jedoch nicht geringer.
Die beiden Musiker liefern eine professionelle Show samt Pyrotechnik ab, können aber auch leisere Töne. Statt Feuerzeugen verwendet man heute halt Handys.


Fazit:
Letzte Nocht, woa ka schware Partie fia mi
Hau mi guad unterhoitn
Und na do geht ma ned ham, ham, ham.

Datum: 10. August 2019; Text und Fotos: Georg Wageneder

Streithähne im Hause Gott

Es wurde viel gestritten, gelacht und geweint auf der Bühne. Satan stritt sich mit Jesus und Gott mit dem Geist. Es war ein chaotischer und lustiger Abend. Trotz heißer Temperaturen war jeder einzelne Sessel besetzt. Der letzte Spieltermin von „Krach im Hause Gott“ im Schloss Tillysburg war auf jeden Fall ein voller Erfolg. 

Der Anfang war wirklich grandios. Die SchauspielerInnen hatten noch nichts gesagt und die Zuschauer mussten bereits lachen. Der große Gott kam die Treppe heruntergeschritten und machte sich sogleich einen Espresso, Satan kam mit einem protzigem Oldtimer in den Hof gefahren; mit dem Kennzeichen „TO HELL 666“, welches sofort einige laute Lacher kassierte. Der Heilige Geist war eben der heilige, verrückte und etwas schwule Geist und Jesus war einfach Jesus mit einem großen Alkohol-Problem. Zusammen bildeten sie einen ziemlich chaotischen Haufen.

Der liebe Gott war hin- und hergerissen. Sollte er die Menschheit vernichten oder doch nicht? Er war schwer von ihnen enttäuscht, dass sie sich gegenseitig an den Kopf gingen. Nach langem Nachdenken entschied er sich vorerst die Menschen zu verschonen. Dies aber entsprach nicht der Vorstellung von Satan. Dieser stichelte Gott immer wieder auf, aber Jesus besänftigte ihn immer wieder. Immer wieder eskalierten die Diskussionen zu Streit, woraufhin Gott immer mehr Kaffee und Jesus immer mehr Wein trank.

Zum Schluss kam dann auch noch die Muttergottes hinzu. Sie stellte klar und deutlich fest, dass es neben den Machtgelüsten Gottes auch noch andere Dinge gab und erzählte ihre Seite der Geschichte. Die Muttergottes verkündete, dass der Heilige Geist einst weiblich war. Er wurde aber mitsamt der Himmelsgöttin verbannt, da Gott jemanden mit gleich hohem Stellenwert nicht mehr dulden konnte. Das plötzlich ernstere Thema, dass Frauen unterdrückt werden, schlug ein wie eine Bombe. Darauf war wirklich keiner der Anwesenden gefasst. Trotz Wortwitz hatte man immer im Hinterkopf, was die Muttergottes gesagt hatte. 

Schlussendlich entschied sich Gott doch noch etwas mit seinem Urteil zu warten und beendete die Sitzung der Streithähne. Er stolzierte von der Bühne, Satan verschwand in seinem Oldtimer mit bissigen Bemerkungen und der Heilige Geist schwebte einfach genüsslich davon. Jesus und seine Mutter machten sich noch eine Flasche Wein auf und genossen die restliche Nacht.

Auch nach Ende desStücks aus der Feder von Felix Mitterer wurde noch über die lustigen Abschnitte geredet, die darin vorgekommen sind. Insgesamt hatten die SchauspielerInnen die Komödie sehr gut dargestellt. Alle waren von den schauspielerischen Künsten beeindruckt und verdeutlichten dies durch tosenden Applaus.

Datum: 31. Juli 2019 / Text & Fotos: Lisa Lindlbauer

Bad Hochkarätig

Bereits in der 24. Saison befindet sich der Internationale Musiksommer Bad Schallerbach. Ausgewählte Konzerte von Klassik bis Crossover sowie Veranstaltungen mit der Bezeichnung Wort und Ton prägen das Programm von Juli bis September. Michael Köhlmeier, Birgit Minichmayr, Alfred Dorfer, Angelika Kirchschlager, Chris Pichler, Thomas Gansch sind nur einige Namen hochkarätiger KünstlerInnen, die im Thermen- und Kulturort zu hören bzw. zu sehen sind und sein werden.

4.219 Einwohner zählt die Marktgemeinde Bad Schallerbach, die sich (fast) ganz im Osten des Landes befindet. Der Ort lebt in erster Linie vom Tourismus, seitdem 1918 die Schwefelthermalquelle entdeckt wurde und seitdem genutzt wird. Bei Familien ist Bad Schallerbach vor allem auf Grund der Wasser-Rutschen-Piratenwelt Aquapulco bekannt. Quasi ein Pflichtprogramm für alle Eltern.

Mit cirka 90 Konzerten in 10 Monaten pro Jahr, an die 300 Künstlerinnen und vier verschiedenen Locations macht sich Schallerbach seit über 20 Jahren aber auch unter Kunst- und Kulturaffinen einen Namen - und zwar als Ort der „zeitlos eleganten Kunst“.Bei der Auswahl des Programms achtet der Musiker, Dirigent und Musikpädagoge Peter Gillmayr, Intendant seit der ersten Stunde des Musiksommers Bad Schallerbach, auf Niveau, auf - wie er sagt - „glaubwürdige Interpretationen oder Stringenz einer (musikalischen) Erzählung.“

So eine Erzählung wurde auch am 25. Juli 2019 im Europasaal des Veranstaltungszentrums Atrium zum Leben erweckt. Wolfram Berger, bekannt aus Film, Fernsehen und Theater, brachte gemeinsam mit Florentin Berger Monit im Programm „Schwejk“ die Figur des braven Soldaten Josef Schwejk dem Publikum näher, und zwar in Form einer darstellenden Lesung des antimilitaristischen und satirischen Schelmenromans des tschechischen Autors Jaroslav Hašek (1883–1923)aus den 1920ern, die untermalt, begleitet und verstärkt wurde durch eine Musik- und Geräuschabmischung von Berger Monit, der den Text auch für die Bühne bearbeitet hat.

Ähnliche wie auch ganz andere Abende, stets mit enorm hoher Qualität, finden auch in den nächsten Wochen des Internationalen Musiksommers in Schallerbach statt. Zudem wird es Konzerte geben, teilweise von Ensembles, die sich im Laufe des über 20-jährigen Bestehens aus Musikern des Musiksommers und namhaften KünstlerInnen gegründet haben: Hier zu nennen sind zum Beispiel die Oberösterreichischen Concert Schrammeln, die am 1. August gemeinsam mit Michael Köhlmeier und Agnes Palmisano zu hören sein werden.

Nähere Infos unter http://www.musiksommerbadschallerbach.at

Datum: 26. Juli 2019 / Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger

Von Blume zu Blume, von Szene zu Szene

Das sind die Etappen für das Publikum bei einer neuen Linzer Sommertheaterlocation, dem Botanischen Garten, der mit Shakespeares Ein Sommernachtstraum von der ebenfalls neuen kulturellen Kooperative Limbic 3000, bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des AEC, des Botanischen Gartens, der RedSapata Tanzfabrik und Studierenden der Linzer Kunstuni. Sie haben gemeinsam eine phantasie- und stimmungsvolle Stationentheaterproduktion in den herrlichen abendlichen Park gestellt.

Ein botanischer Sommernachtstraum ist der korrekte Titel, den diese bunte Kooperation von Mitwirkenden verschiedenster Institutionen trägt. Natürlich ist auch hier die Hochzeit  Theseus' mit Hyppolita der Angelpunkt des Geschehens, doch nur Anfangs- und Schlussszenen des viel gespielten, beliebten Werks erlebt das Publikum gemeinsam; die Irrungen und Wirrungen dazwischen – die Liebesverwirrung der beiden jungen Paare im nächtlichen Wald, die chaotische Probe der Handwerker und die Verwandlung Zettels in einen Esel sowie die Liebe Titanias zu diesem Esel – sind an verschiedene malerische Stellen des Botanischen Gartens verlegt; die Zusehenden erwandern sich in Gruppen diese dreimal simultan dargestellten Phasen, vorbei an Kunstinstallationen aus Leuchtobjekten, die ihre Umgebung kommentieren. Zudem kommen die Stationen mit extrem wenig Text aus, pantomimisch und tänzerisch lässt Regisseur David Jentgens diese durchaus redundanten Teile des Stücks erzählen. Eine gute, praktikable Idee, stehen ihm doch nicht nur professionelle Darsteller*innen zur Verfügung, für die zu viel Text ein Problem hätte werden können. Denn der Anfang kommt mit etwas zu pathetischem Text-Aufsagen daher, was natürlich auch die gewählte romantische Übersetzung fördert. Doch mit der Bewegung kommt die Lockerheit, das Spiel aller Beteiligten wird natürlicher und mündet schlussendlich in ein geradezu fulminantes Finale.

Unter Anleitung des leidenschaftlichen „Regisseurs“ Sven Sorring als Zettel sind die Gärtner Tobias Aschauer, Max Guggenberger und Phillip Gartlehner seine sympathisch-unbeholfene Handwerkertruppe; Sabine Rechberger, Georg Kreuml, Tanja Regele und Florian Arbeithuber geben eher zurückhaltend die vier verliebten jungen Athener Hermia, Demetrius, Helena und Lysander. Michaela Obermayer zeigt einen still und unauffällig dienenden Puck, Ilona Roth ist eine strahlende Hyppolita/Titania, Gunnar Blume ein souveräner, sein Tun genießender  Theseus/Oberon.

Ein interessanter Abend in atmosphärisch außergewöhnlichen Kulisse erwartet Sie!

Datum: 21. Juli 2019 / Text: Christian Hanna / Fotos: Alois Endl

Es rappelt in Reichenau

Reichenau liegt in diesem Sommer in den Alpen. Das ist den dortigen Burgfestspielen geschuldet, die heuer als Hauptstück Der Alpenkönig und der Menschenfeind gewählt haben. Ein Zauberstück, eine Besserungskomödie im wildromantischen Burghof, das passt doch bestens zu einem lauen Sommerabend!

Regisseur Gerhard Koller, der für seine Inszenierung eine Neubearbeitung von Doris Happl gewählt hat, betont, obwohl es sich um ein Zauberspiel handelt, die Aktualität des Stücks, das auf die Kommunikationsverweigerung Rappelkopfs mit seiner Umwelt aufbaut, in dem Autor Ferdinand Raimund sich wohl auch eigene misanthropische Persönlichkeitsdefizite von der Seele schrieb; oder, um es mit Konkurrent Nestroy zu sagen: „Ich lass ma mein Aberglaubn durch ka Aufklärung raubn“. Um diese Haltung zu korrigieren, braucht es natürlich Zauberkräfte.

Die enorme Breite des Schlosshofs in Reichenau ist schwer zu bespielen, und so tut Koller gut daran, den Großteil des Geschehens auf den abgedeckten Brunnen in der Mitte zu konzentrieren, was gute Sicht und Verständlichkeit für alle im Publikum gewährleistet. Er hält die Inszenierung im stilisierten Ambiente der Entstehungszeit, irgendwie passend zum Spielort.

Mit Joschi Auer hat er für den Menschenfeind eine Traumbesetzung zur Verfügung. Seine Natürlichkeit und Präsenz, sein sicheres Timing und seine selbst geschriebenen Couplet – Zusatzstrophen machen diesen Soziopathen schon fast wieder sympathisch; überzeugend auch seine Bekehrung. Thomas Hochrathner als Astragalus wäre diese Rolle wohl auch gut gelegen, denn beim Tausch der Charaktere, in dem er Rappelkopf den Spiegel vorhält, läuft er zur Hochform auf, während er zuvor als Alpenkönig etwas zuwenig Konturen zeigt – wobei generell zu bemerken war, dass die vor der Pause etwas schleppende Vorstellung im zweiten Teil wirkte, als wäre ein Turbo gezündet worden; also bitte gleich so. Elisabeth Stelzer als Frau des Haustyrannen leidet charaktervoll und facettenreich und ist an darstellerischer Kraft ihm ebenbürtig. Klara Heigelmayr/Alina Hinterhölzl alternierend als Malchen und Jonas Maurer als Maler August meistern die beiden etwas blassen Rollen mit Anstand als zwei sympathische, aufrichtig ineinander verliebte junge Menschen. Hermine Touschek und Michael Türk sind ein feines Bedienstetenpaar Lisa und Habakuk, sie in einer Mischung von keck, selbstbewusst und abergläubisch, er mit seinem berühmtem Stehsatz „Ich war zwei Jahr in Paris!“ sein ramponiertes Ich aufbauend – herrlich die Szenen, wenn er sich den Satz verkneifen muss.

Resümierend muss also für diese launige Produktion eine Empfehlung ausgesprochen werden – es ist ja nicht weit nach Reichenau. 

"Der Alpenkönig und der Menschenfeind"noch bis 10. August 2019.

Datum: 21. Juli 2019 / Text: Christian Hanna / Fotos: Franz Hochreiter

 

Wer schreit denn oiwei Jedermann?

In Mondsee, nur 30 km östlich der Festspiele am Salzburger Domplatz, wird seit 1922 auf einer Naturbühne neben der Basilika der „Mondseer Jedermann“ in Dialekt von LaienschauspielerInnen aufgeführt. Die Premiere am 13. Juli fiel leider buchstäblich ins Wasser und musste in der Sala des Schlosses Mondsee stattfinden.

"Wir spielen nur im äußersten Notfall in unserem Ausweichort", heißt es auf der Website des Mondseer Jedermann. Ein solcher Notfall war am Premierentag eingetreten: Schnürlregen (wie beim Salzburger Vorbild) und 14 Grad! Deutlich wärmer wurde es mit der Dauer des Stücks in der Sala, was am Ende aber auch wiederum zu einem kleinen Notfall führte: eines der Kinder aus der Engelschar bekam offenbar Kreislaufprobleme und musste von der Bühne geholt werden.

Doch der Reihe nach:
Der Stoff ist bekannt: Der reiche Bauer Jedermann strebt nur nach Geld sowie Vergnügen und verhöhnt die Armen. Plötzlich wird er mit dem Tod konfrontiert. Erst in seiner letzten Stunde, als sich seine Geliebte und seine Freunde von ihm abwenden und ihm auch der Mammon den Gehorsam verweigert, zeigt er sich reuig und findet zum Glauben. Selbst der Teufel, der Jedermann als sicheren Kandidaten für die Hölle sieht, hat keine Chance, und so tritt Jedermann in einem weißen Büßerhemd zwischen Engeln seine letzte Reise an.

Die Mondseer Fassung - nur etwas jünger als das Salzburger Original – war ursprünglich für die breite Bevölkerung gedacht: Die Figuren in Tracht sprechen die Verse in Mundart; für manche TouristInnen im Publikum ist das wohl nicht immer ganz leicht zu verstehen. Die allegorischen Figuren (Tod, Mammon, Teufel) sind hingegen in der Originalfassung, was den Stilbruch verstärkt.

"Jetzt faungt unsa Spü hoit au. 
A jeda mochts, so guat er kau",
 
leitet der Ansager das Stück ein. 
Und sie machen es alle sehr gut, insbesondere Peter Birgel als verführerischer Teufel und allen voran Willi Meingast, seit 2006 Darsteller des Jedermann (und seit 2014 auch der Regisseur). Mit enormer Bühnenpräsenz und ausdrucksstarkem Minenspiel prägt er als Hauptfigur die Aufführung.

Enorm auch die Beteiligung: Teilweise befinden sich rund 50 Leute auf der Bühne, darunter Musiker und eine Volkstanzgruppe; insgesamt werden es wohl an die 80 Darsteller sein. Den Schlussapplaus holt sich jedoch Willi Meingast alleine ab.  Er gibt schließlich auch Entwarnung: dem jungen Engel geht es bereits wieder besser.

Die weiteren Vorstellungen des Mondseer Jedermann finden - dann hoffentlich im Freien - jeden Samstag bis 24. August statt. 

Datum: 14. Juli 2019 / Text und Fotos: Georg Wageneder

In der Löwengrube

theaterspectacel Wilhering brilliert zum 25 Jahr Jubiläum

Die rustikal und zugleich heimelige Stiftsscheune des schönsten Rokokoklosters Europas - dem Zisterzienserstift Wilhering - bildet seit nunmehr einen Vierteljahrhundert die Heimstätte für ein besonderes Sommertheater: das „theaterspectacel“. Dieses hat sich in den letzten Jahren oberösterreichweit zu einem qualitativ hochwertigen Filetstück der heimischen Theaterkulturszene entwickelt. Mit dem heurigen Stück „In der Löwengrube“ glänzt der Intendant Joachim Rathke zum Jubiläum und beeindruckt den ebenfalls anwesenden Autor Felix Mitterer. Das begeisterte Publikum dankte es mit minutenlangem Standing Ovations nach der Premiere.

„Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht?“ Mit dieser tiefgründigen und nachdenklichen Frage über die Gleichheit von Deutschen und Juden gleich zu Beginn wird das Publikum in die düstere Zeit des Nationalsozialismus geschmettert. Die bedrückende Stimmung erfasst die Stiftsscheune im Handumdrehen. Mit lautstarken, emotionalen Passagen garniert mit süffisantem Wortwitz wird die Wandlung des ehrwürdigen Theaterbetriebes samt seiner Darsteller in ein NS-Theater beschämend realistisch dargestellt. Erster „Höhepunkt“ ist die Degradierung des Schauspielers Arthur Kirsch mit der bezeichneten Szene, in der er den Theaterboden von seiner Präsenz reinwaschen muss.

„Höllrigl Benedikt hoaß i. Wia mei Vatter. Aus’m Ötztal bin i halt. Aber nit herunten aus’m Dorf, ganz oben in die Schrofen bin i, wo die Hennen sogar Steigeisen tragen.“ so stellt sich der von den Nationalsozialisten protegierte neue Hauptdarsteller vor. Dabei brilliert Sven Kaschte als Benedikt Höllrigl, ein Tiroler Bauer, der sich es in den Kopf gesetzt hat, Schauspieler zu werden. Er spricht im verblüffendem echten Tirolerisch in einem großen Wiener Theater vor, in zünftiger Lederhose, mit dem Tirolerhut, blonden Locken und einem Vollbart im Gesicht. Der Direktor engagiert das „Naturtalent“ als „Wilhelm Tell“. Das Stück wird ein grandioser Erfolg. Die Presse bejubelt den „Triumph des Bauern Höllrigl als Sinnbild der deutschen Eiche“, selbst Reichsminister Goebbels ist hingerissen, und verspricht ihm eine große Filmkarriere.

Was keiner ahnt: Der „Bauer“ ist nicht, was er scheint: er ist in Wahrheit der vor einem Jahr entlassende Jude Arthur Kirsch, der mit seinen Kindern nach Tirol floh, dort den Dialekt erlernte, und nun als „arischer Bauer“ zurückkommt, um im Theater ordentlich aufzumischen. Was folgt, ist ein irrwitziges Spiel rund um Täuschung, Heldenmut, Liebe und Verrat. Dabei wird die menschliche Seele und ihre Wandlungsfähigkeit in stürmischen Zeiten proträtiert. Die verschiedenen Charaktere zeigen eindrucksvoll, wie weit Menschen bereit sind sich unterzuordnen um zu überleben.

Der ebenfalls anwesende Autor Felix Mitterer bedient sich in dieser mitreißenden Theatersatire der wahre Geschichte des Schauspielers Leo Reuss, der sich 1939 mitten „in die Löwengrube“ begab, um als gedemütigter Mensch den Irrsinn einer Rassenideologie ad absurdum zu führen. Ein Abend, der mit seinem Aberwitz berührt, bewegt und, ja! – auf befreiende Weise erheitert.

Das großartig inszenierte Stück brilliert durch die rasch folgenden emotionalen und lautstarken Wut- und Schreiszenen, flankiert von nachdenklichen, tiefsinnigen philosophischen Textpassagen. Garniert wird diese gelungene Mischung durch erfrischenden Wortwitz und dem traditionellen Markenzeichen des Wilheringer theaterspectacels: einem herrlich reduzierten Bühnenbild, das die Fantasie des Publikums zusätzlich fordert. Der Schluss des Stückes ist überraschend einfach und ohne großen Knall, dafür wird wie zu Anfang mit der nachdenklichen Frage geschlossen: Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht?

Datum: 10. Juli 2019 / Text und Fotos: Markus Langthaler

Italo-Kitsch, Klischee & Komödie

Nennen Sie Ihren Urlaub Sommerfrische? Nein? Natürlich nicht. Kein Mensch sagt das mehr. Bekannt ist sie in unseren Breitengraden aber nach wie vor. Als Sommerfrische bezeichnete man früher jene Zeit, in denen die Städter vorübergehend aufs Land zogen, um sich vom hektischen Stadt-Alltag zu erholen.

Und grundsätzlich gibt es diese Tendenz nach wie vor. Nur wird sie nun Urlaub genannt und beschränkt sich auf eine bis höchstens drei Wochen im Jahr. Man hat ja keine Zeit heut zu Tage… . Zielort ist nicht wie im 19. Jahrhundert das Salzkammergut, das beispielsweise ein sehr beliebter Sommerfrische-Ort der Österreicher gewesen ist, sondern etwa die Adriaküste, die Türkei, Griechenland und dergleichen. Das italienische Bürgertum des venezianischen Barockzeitalters bevorzugte die Amalfi-Küste als Ort der Erholung. Ebendort spielt das Stück „Sommerfrische!“, das am Freitag, 5.Juli, im Theater im Hof in der Ennser Innenstadt seine Premiere feierte.

Die Carlo-Goldoni-Komödie bietet im lieblichen Innenhof der ältesten Stadt Österreichs leichte Unterhaltung mit Italo-Pop, wie er so gut wie nie auf Theaterbühnen zu hören ist. Songs von Adreano Celentano, Eros Ramazotti oder Albano und Romina Power lassen das Publikum zurückreisen in die Zeit der 90er des letzten Jahrhunderts, eine kräftige Portion Augenzwinkern inbegriffen.

Das Thema des Stückes, eigentlich nicht unbedingt in den Mittelpunkt zu stellen: Klassische Verirrungen und Verwirrungen im Liebesspiel und das mitten im Urlaub. Dazu noch Geldsorgen, eine alleinstehende reiche Tante, ein verwirrter, einsamer reicher Vater und einer, der die Fäden zieht - Carlo, der Reiseleiter. Und schon ist der Stoff komplett. Ein Sammelsurium von Figuren, die irgendwie nicht das vom Leben bekommen, was sie erwarten, lauter Opfer und doch gleichzeitig ganz normale Menschen, eigentlich sogar recht privilegiert.

Viel erwähnenswerter als die Handlung ist der in den Dialogen steckende Wortwitz sowie die Schauspielleistung von Julia Carina Wachsmann, Daniel Große Boymann und Christian Himmelbauer. Der Regisseur und Intendant des Theaters im Hof stand einmal mehr im eigenen Stück auf der Bühne und beeindruckte mit seiner Vielseitigkeit. Noch mehr beeindruckte die eben erwähnte Julia Carina Wachsmann mit ihrer Darstellung der personifizierten Hysterie in der Rolle der Vittoria, der Schwester des Verlobten der schönen Giacinta, die gleich von zwei Männern begehrt wird, während Vittoria unverheiratet zu bleiben droht. Wussten Sie eigentlich, dass Hysterie der altgriechische Fachbegriff für Gebärmutter ist? Wie auch immer. Es ist zwar eine schauspielerisch sehr dankbare Rolle, diese jene der Vittoria, aber trotzdem muss sie erst mal mit so einer Kraft und so viel Charme gespielt werden können. Ebenso herausragend: Daniel Große Boymann, insbesondere bei seinem Monolog nach der Pause und im Duett mit Christian Himmelbauer, der eine mit der Ziehharmonika, der andere mit der Geige.

Alles in allem ein luftig-leichtes Stück, original aus dem Jahr 1761, das aktualisiert und gekürzt (Goldonis „Sommerfrische“ ist eigentlich eine Trilogie mit 250-300 Seiten und über 20 Rollen) im Hier und Jetzt mit Wortwitz und Musik für einen runden Theaterabend sorgt.

„Sommerfrische!“ in Enns - an folgenden Tagen: 11.,12.,13.,17.,18.,19.,24.,25.,26.,27.,31. Juli sowie am 1.,2.,3. August

Datum: 8. Juli 2019 / Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger

k&k summer feeling

Schwalben ziehen ihre Kreise über den Köpfen des aufmerksamen Publikums im malerischen Innenhof des Schlosses Tillysburg in St. Florian. Beim Einbruch der Dunkelheit verstummen ihre Rufe, zu diesem Zeitpunkt ist die Premiere des Franz Molnár-Stück „Olympia“ am Höhepunkt angelangt. Die Festspiele in Schloss Tillysburg starten an einem lauen Sommerabend am 4. Juli in die dritte Runde.

Die Komödie "Olympia" unter der Regie von Lisa Wildmann besticht durch die wunderbare Sprache der k&k Monarchie des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts, die in der historischen Kulisse des Innenhofes von Schloss Tillysburg eingebettet, nochmals an Authentizität gewinnt. Die Kostüme sowie das klare Bühnenarrangement - als Bühne dient die nachgebaute Terrasse eines österreichischen Kurorts – unterstützen den Gesamteindruck der 95minütigen Zeitreise ins letzte Jahrhundert.

Die Geschichte: Der magyarische Husarenrittmeister Barna (Leonhard Srajer) und Flirt der Herzogin Olympia (Magdalena Mair) wird als Hochstapler vom örtlichen Gendarm Oberstleutnant Krehl (Stefan Wancura) entlarvt. Ein Skandal bahnt sich an, doch die überraschende Wahrheit dreht sich rund um das Thema Standesdünkel. Die Aristokratie kann sich doch nicht mit dem Volk einlassen! Das wird auch von Fürstin Eugenie Plata-Ettin (Karin Kienzer) - Mutter von Olympia - und der von ihr ungeliebten Gräfin Lina (Claudia Dallinger) deutlich formuliert. Fürst Plata-Ettin (Hubert Wolf) und Albert (Clemens Aap Lindenberg) zeugen mit Witz von dieser Haltung. „(...) Nicht zuletzt geht es dabei um den Konflikt zwischen Land und Stadt, wo doch die Großstadt Wien immer auch die „Nähe zum Hof“ bedeutete. Hat sich ja vielleicht gar nicht so viel verändert (...)“ ist von Intendant Nikolaus Büchel im Programmheft nachzulesen.

Das Premierenpublikum lebte mit dem vergnüglichen Spiel mit, denn Worte, wie „Großartig!“ und „Köstlich!“ waren zu vernehmen.

Weitere Premierentermine der Tillysburger Festspiele: Am 11. Juli „Da Jesus und seine Hawara“ von Wolfgang Teuschl, die Wiederaufnahme „Krach im Hause Gottes“ von Felix Mitterer am 20. Juli und „Kaiser Josef und die Bahnwärterstocher“ von Fritz Herzmanovsky-Orlando am 25. Juli.

Datum: 5. Juli 2019 / Text und Fotos: Astrid Windtner

 

 

Eleganz am See

Mit einem fulminanten musikalischen Start wurden am Donnerstag, den 4. Juli 2019, die diesjährigen Festwochen Gmunden eingeläutet. Kein geringeres als das Bruckner Orchester Linz gastierte zu diesem Zweck in großer Besetzung mit Chefdirigent Poschner in der Kitzmantelfabrik in Vorchdorf und präsentierte unter dem Motto „Heimat“ Bruckners Sinfonie Nr. 7.

Jeder Gegend sein (Sommer-) Fest. Dieser Gegend ein elegantes Kultursommerfest. Denn was ist Eleganz? Es ist Klassisches, allgemein gültig Schönes - so wie der Traunsee sich mit perfekt proportionierten Maßen an den Traunstein schmiegt und dieser selbst perfekter in die Höhe kaum ragen könnte. Gmunden als zeitlose geografische Schönheit, passend dazu das Festwochen Programm.

Eine elegante Mischung aus Klassik, Jazz, Theater, Performance, Lesungen, Architekturgesprächen und Ausstellungen und das alles mitten in der Ausnahme-Jahreszeit - von 4. Juli bis 17. August.

Heuer im Zentrum der Festwochen Gmunden steht einmal mehr der Dichter und Denker der Region - Thomas Bernhard, dieses Jahr mit einem Literaturschwerpunkt auf Grund seines 30. Todestages. Theater-Größen wie Herbert Föttinger, Birgit Minichmayr, Nicholas Ofczarek, Michael Maertens, der mit dem Merlin Ensemble Wien als musikalische Ergänzung auftritt sowie die Wegbegleiter des Schriftstellers Hermann Beil, Martin Schwab und sogar Claus Peymann werden rund um den Traunsee zugegen sein, eben dieser lesend und auch diskutierend zum Thema „Ein negativer Nationaldichter“.

Außerdem werden Klassik-Starsder neuen Generation aufspielen: Geigenvirtuose Yury Revich, Pianist Aaron Pilsan, das Kammermusikensemble Quatuor Van Kuijk, das Minetti Quartett sowie die Multipercussionisten Christoph Sietzen & The Wave Quartet. Jazz ist mehr als gebührend vertreten durch Lukas Kranzelbinders Shake Steh, Mathias Rüegg und Lia Pale und Crossover wird bedient durch Konzerte von folksmilch, eXtracello sowie Ernst Molden und das Frauenorchester.

Der Bereich bildende Kunst wird heuer vertreten durch sehr unterschiedliche Ausstellungen von Christian Ludwig Attersee, Thomas M. Mayrhofer, Bianca Kiso sowie Emmanuel Walderdorff.

Mehr als 80 Jahre lang wurden in der Kitzmantelfabrik Vochdorf Lederschuhe produziert. Lederschuhe, ein Produkt mit Qualität. Nun wurde das Gebäude umfunktioniert, zu einer beeindruckenden Kultur- und Eventlocation, die mit tollem Ambiente und - im großen Saal im ersten Stock - mit sehr guter Akustik sowie optisch harmonischem Zusammenspiel aus Backsteinen, alten, dunklen Holzböden und Balken sowie silbernen Lüftungsrohren seinesgleichen in der Region sucht.

Eben dort dirigierte Markus Poschner als Auftakt zu den Festwochen Gmunden das weltweit bekannte und gefeierte oberösterreichische Aushängeschild für Kunst - das Bruckner Orchester Linz. Mit dem gewählten Motto „Heimat“ trifft dieses einen Nerv der Zeit. Ebenso wie Poschner mit seiner Interpretation der Bruckner-Kompositionen. Mehrminütige Standing Ovations beklatschten Dirigiert und Orchester an einem schwülen Donnerstagabend, an dem im Rausche der Musik, in den Räumen einer ehemaligen Fabrik, Raum und Zeit, Vergangenes und Gegenwärtiges zusammenrückten. Kultur eben.

Datum: 5. Juli 2019 / Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger 

Zeit.Kunst.Region.

Möge die Übung gelingen! Dieses buddhistische Sprichwort leitete am 28.6. das Festival der Regionen mit dem politisch aussagekräftigen Titel „Soziale Wärme“ in Sankt Georgen an der Gusen ein. Die biennale Zeitkultur-Veranstaltung findet in diesem Jahr in der Region Perg-Strudengau statt und bringt auch heuer wieder unter Einbeziehung der hiesigen Bevölkerung Kunst in einer Vielfältigkeit aufs Land, wie kein zweites Festival in Oberösterreich.

17 Gemeinden, 42 Projekte, mehr als 100 Veranstaltungen - so weit die Fakten des 14. Festivals der Regionen, das seit 1993 das spannende Konzept verfolgt, zusammen mit einer Region Kultur zu schaffen, ohne dieser dabei etwas überzustülpen, sondern im Gegenteil, gemeinsam in einen kreativen Nachdenkprozess zu gehen. Und zwar auf zeitgenössische Art und Weise, mit neuen Wegen und Ausdrucksformen. Somit steht das FdR - neben seinen starken politischen Statements - vor allem auch als temporär lokal verankerter Knotenpunkt aktuellen Kunstschaffens.

Erklärtes Ziel des Festivals heuer ist nichts geringeres als der soziale Klimawandel, der wieder zu mehr Toleranz jeglicher Andersartigkeit gegenüber führen soll. Vor allem das ins Bewusstseinrücken der Menschenrechte erhält dabei hohe Priorität. Dass die offizielle Eröffnung des Festivals ausgerechnet am Eingang des sogenannten Bergkristallstollens der KZ-Gedenkstätte Gusen stattgefunden hat, stellt eine wohl überlegte Entscheidung dar, die Vergangenes mit Zukünftigem in Zusammenhang bringt.

Im Zuge dieser Auftaktveranstaltung wurde der letzte Teil des Audioweges in Gusen präsentiert, der auf berührende Art und Weise eine Aufarbeitung des Geschehenen darstellt, wie sie vielschichtiger und sensibler nicht sein könnte. Die Stille, die während der Hörprobe herrschte, war eine würdige, auch wenn die strahlende Sommersonne dabei etwas Absurdes dazu abgab. Ein Sinnbild dafür, dass sich die Welt dreht, unermüdlich, trotz Leid und Elend. Dass nur die Menschen selbst es sind, die Veränderungen herbeiführen können. Zukünftig soll nun beim Stollen Bergkristall ein Bildungsort geschaffen werden.

Das Festival der Regionen schaut aber in keinster Weise „nur“ in die Vergangenheit. Im Gegenteil, die Zukunft steht im Zentrum, beispielsweise im Projekt „N.O.A.H. Galacitca“ von Josseline Engeler (AT). Im gleichnamigen Raumschiff, das am Freitag mitten in Perg gelandet ist, dreht sich alles um die Frage, ob die Menschheit eigentlich nur mehr durch eine Flucht in den Weltraum zu retten ist. Dazu finden rund um die das permanent verbleibende Flugobjekt aus Holz und Stahl Interaktionen, Performances und Ausstellungen statt.

Eine weitere spannende Frage erörtert die Niederländerin Wake Feenstra mit „Alte Böden, neue Standbeine“: Hier steht die Veränderung landwirtschaftlicher Familienbetriebe im Mittelpunkt. Die FestivalbesucherInnen werden dabei durch neun verschiedene Höfe geführt, wo die Künstlerin durch unterschiedliche Interventionen Einblicke in die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bäuerinnen gibt.

Alle 42 Projekte lassen sich hier in diesen Zeilen natürlich nicht erwähnen. Vertreten sind alle Sparten, von Musik über bildende Kunst bis hin zu Theater und Literatur. Aber eines ist allen gemeinsam: Sie sollen, um mit den Worten des Festivalintendanten Airan Berg zu sprechen, die österreichische soziale Wärme nach außen, über die Grenzen hinaus tragen.

Festival der Regionen, 28. Juni - 7. Juli in der Region Perg-Strudengau

Datum: 28. Juni 2019 / Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger

Jugend ist Zukunft

„I hob a gonz basically Einstellung zu Freiheit.“, sagt Musiker Hans Söllner von einem der beiden Screens herunter. Der bayrische Liedermacher führt gerade ein Gespräch mit drei SchauspielerInnen im komplett vollen Saal des Theater des Kindes. Das Interview ist versetzt in Raum und Zeit. Söllner ist nicht wirklich auf der Bühne, aber trotzdem da. Zentrum des Gespräches ist der Titel des Stückes: „Freiheit“.

Das ist die 10. Ausgabe von Schäxpir, Theaterfestival für junge Leute. Und da ist auch schon vieles erwähnt, was zwischen 24. und 30. Juni drinnen sein wird. Nämlich Reflexion gesellschaftsrelevanter Themen, Themen rund ums Menschsein und rum ums Maschine, oder besser in Maschinen, sein. Was ist real? Wo beginnt die Wirklichkeit? Wer sind wir, inmitten all der neuen (Kommunikations-)techniken? Alles Fragen, die bereits die Gegenwart, aber noch mehr die Zukunft prägen. Und die Zukunft ist die Jugend. So einfach ist das. Deshalb all das.

Vor rund zwei Wochen drehte sich im Oö. Kultursommer bereits für einige Tage alles um die Jugend. Beim 3. Int. Jugendtheaterfestival in Kremsmünster zeigten Jugendliche, was sie theatermäßig so draufhatten. Und auch hier und jetzt - quasi mitten drin im Kultursommer - geht es wieder um die „noch nicht so alten“. Beim Schäxpir-Festival stehen allerdings Erwachsene auf der Bühne, haben sich Erwachsene (in Kooperation mit Menschen unter 20) überlegt, was die Jugend so bewegt, bewegen sollte. Wobei, erwachsen? Was bedeutet das doch gleich? Ach, egal.

Auf jeden Fall sind es professionelle Theaterschaffende, sehr professionelle, 270 aus Nah und Fern, um genau zu sein, die in diesen heißen Junitagen 37 Produktionen aus sieben Ländern auf 22 verschiedene Bühnen in Linz bringen. Schäxpir ist eben nicht zufällig eines der fünf größten und sicherlich auch angesehensten seiner Art in ganz Europa.

Eröffnet wurde, wie bereits erwähnt, im Herzen der Oö. Landeshauptstadt Linz, im Theater des Kindes, einem Kooperationspartner, der seit Anbeginn des Festivals mit dabei ist. Im Zentrum dieser Premiere stehen Fragen, die schon seit langer Zeit die Menschheit bewegen: Was ist frei? Wo beginnt Unfreiheit? Was bedeutet Freiheit - für mich, für dich, für Sie?

Es ist fast ein bisschen so, wie man sich richtig guten Philosophie-Unterricht wünscht, dieses Stück. Interaktiv, locker im Gespräch, mit guten Geschichten - wie jener vom Adler, der glaubte, er sein ein Huhn, erzählt von Märchenerzähler Helmut Wittmann - und ein bisschen Musik - in diesem Fall alles Lieder von Hans Söllner, grandios szenisch dargeboten von den drei StammschauspielerInnen des Hauses Simone Neumayr, Katharina Schraml und Matthias Hacker. Dass es am Ende zwar keine endgültige Antwort auf die Frage nach der Freiheit gibt, dafür viele Denkanstöße für alle - ob Kind, ob Jungendliche(r), ob LehrerIn, KünstlerIn - war zu erwarten. 

Es folgen Stücke von 20 internationalen und 16 nationalen Theatergruppen mit den unterschiedlichsten Ansätzen zu Themen, die alle bewegen. Und zu Themen, die vor allem das Theater bewegen. Was kann Theater im digitalen Zeitalter alles sein? Neue Aufführungsformen, neue Aufführungsorte, neue Formate, viele neue und alte Fragen des Lebens und das alles mit einer vertieften Kooperation mit flämischen und niederländischen TheatermacherInnen. Schade, dass auch die Tage dieser Woche nur 24 Stunden haben.

Schäxpir 2019 - Von 24. - 30. Für alle ab 1

Datum: 24. Juni 2019 / Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger

Ein Hauch Wien in Hall

Ja, ja, der liebe Alkohol. Er ist ein omnipräsenter Weggefährte. Als abendlicher Begleiter nach einem langen Arbeitstag, als Pausenfüller während eines Gesprächs, das nicht in die Gänge kommen will, als reines Genuss-, immer wieder als Suchtmittel und sehr häufig als gute Ausrede. Oder als faule. Für Dinge, die man „sicher nie“ getan hätte, hätte man nicht zuvor das eine oder andere Glas zu viel von ihm konsumiert. Das ist heute so, das war schon immer so. Und darum geht es - nicht nur, aber auch - in der Johann Strauss Operette „Die Fledermaus“.

„Die Fledermaus“, ein Stück, das sein zu Hause eigentlich in der Wiener Volksoper hat, wo es 1874 auch uraufgeführt wurde. Doch ob Wien oder Bad Hall - es fällt kaum auf, sobald die Ouvertüre erklingt und Intendant und Dirigent Ernst Theis den Taktstock schwingt. Jetzt ist mir doch tatsächlich ein Reim passiert. Das passt gut in diesem Fall. Denn auch im Stück kommen Reime vor, in Schenkelklopferform. Rezitiert unter anderem von der Figur Gabriel Eisenstein, der kurz vor Antritt seiner achttägigen Gefängnisstrafe wegen Amtsbeleidigung sich beispielsweise bei seiner Frau mit folgenden Worten verabschiedet: „Perfekt sitzt die Binde (Fliege, Anm.), adieu Rosalinde!“. Traurig findet er den Abschied nicht wirklich, der edle Herr, wurde er doch von seinem alten Freund Dr. Falke zu einem großen Fest mit vielen schönen Frauen im Hause des russischen Prinzen Orlofsky geladen. Dass er also über einen Umweg in den Hefn, den er lieber als Strafhaus bezeichnet haben möchte, gehen wird, das verschweigt er seiner Hausfrau natürlich. Diese wiederum verschweigt, dass sich ein Ehemaliger bei ihr angekündigt hat, an dem sie nach wie vor Gefallen findet. Aus dem Liebesspiel mit dem Ex wird jedoch nichts, da mittendrin der Gefängnisdirektor hineinplatzt und diesen abführen lässt im Glauben, es sei der Gatte Gabriel.

Nun erhält auch Rosalinde eine Einladung zum Fest, ebenfalls von Dr. Falke, der nämlich einen Racheakt an seinem Freund Eisenstein plant, da er vor einiger Zeit von ihm nach einer durchzechten Nacht verkleidet als Fledermaus in der Stadt zurückgelassen und damit zum Gespött der Leute wurde.

So kommt es im 2. Akt zu einem Höhepunkt mit allerlei Verwirrungen, Flirtereien, viel Alkohol und einer energiegeladenen, sehr gelungenen Balletteinlage. Eisenstein versucht seine eigene Frau, die als Ungarin verkleidet beim Fest auftritt, zu verführen.

Im 3. Akt erscheint Regisseur Gerald Pichowetz höchst persönlich. In der Rolle des Gefängnisdieners spielt er alle Stücke seines komödiantischen Könnens und nimmt dabei - wie bereits zuvor im Text mehrerer Figuren - Bezug auf Aktuelles der österreichischen Politikbühne. Was naheliegender nicht sein könnte, denn das Stück passt wie die berühmte Faust aufs Aug zum österreichischen Politgeschehen und zwar in allen Jahrhunderten.

Es geht ganz schön zur Sache in den drei Akten, die jeweils durch eine kurze Erfrischungspause voneinander getrennt zu genießen sind. So sind die 2,5 Stunden Aufführungszeit sehr kurzweilig. Der Sager des Stückes „Glücklich ist, wer vergisst.“ passt in diesem Fall nicht. Und Schuld an der gelungen Produktion war sicherlich auch nicht der Champagner. Nein, harte Probezeit und eine Top-Besetzung mit namhaften Sängern und Mitwirkenden aller Sparten von internationalem Ruf, zusammengeführt durch den Intendanten Ernst Theis und in Szene gesetzt von Gerald Pichowetz, ergeben eine runde Darbietung, die sicherlich nicht nur dem klassischen Operetten-Publikum Freude macht.

„Die Fledermaus“ ist noch bis 14. Juli jeweils Freitags, Samstags und Sonntags im Bad Haller Stadttheater zu sehen.

Datum: 16. Juni 2019 Text und Fotos: Michaela Anna Ogris-Grininger

 

Alles wird gut

Sommer, Sonne und Wasser. Was braucht es mehr, um glücklich zu sein? – Auf diese Formel setzen die Bubble Days, die seit gestern im Linzer Hafen zum Relaxen, Essen und Tanzen einladen. An die 20.000 Besucher/innen nutzen die Gelegenheit mitten in Linz Urlaubsstimmung zu genießen, Wassersport inklusive. Heute kann noch bis 3 Uhr gechillt werden.

Ein kleiner Wandertag im Linzer Hafenbecken – so sieht es aus, wenn man das Gelände der „Bubble Days“ betritt. LinzAg-Mitarbeiter/innen nehmen die Leute nach einem Sicherheitscheck in Empfang, Strohhut und Sonnenbrille gibt es gratis. Dann marschieren große und kleine Menschen Richtung Hafenbecken, viel junges Publikum unter 30 ist hier vertreten. Ein Kinderspielplatz lockt gleich zu Beginn, Streetfood-Köstlichkeiten aller Art und Getränke können bargeldlos - mit Wertkarte - erworben werden. Von der Mainstage wummern schon die Beats ins Gelände, Electronic Sounds gibt es vom kleinen Schiff mit Sandstrand dazu. „Alles wird gut“ liest man dort auf dem Transparent der Electronic Stage auf´s Erste – und hat das Gefühl, das stimmt. „Alles weird gut“ – steht tatsächlich dort, auch das ist möglich. Denn die Stimmung ist relaxed und die Menschen gut drauf.

Es ist heiß, die Sonne scheint, viele Linzer/innen sind da ­– und Menschen aus aller Welt, die hier leben, arbeiten, studieren. Es kommen immer mehr, der Platz wird nicht weniger. Das Gelände ist groß, an die 20.000 werden in den zwei Tagen erwartet. Das geht sich aus.

Wer Sport zum Anschauen liebt, kann den Wakeboardern zu sehen, wie sie ihre Saltos und Sprünge vor der Zuschauermenge zum Besten geben. Wer mutig ist, probiert es selbst. Aber das muss nicht sein, denn auch Schauen gilt. Einfach da sein, Linz einmal ganz anders erleben – im Hafen, mitten zwischen Lagerhallen, Graffiti und Donauwasser. Das hat was.

Der Eintritt ist frei.

Programm-Ausblick, Samstag, 8. 6. : ab 12 Uhr

Sup Yoga, Blonder Engel, B-Girl Circle Show, Blond, Nura, Haiyti, DJ Mad.
Dazu: Hafenrundfahrten, Flyboard Shows, LinzAg Skate Ramp, Bodypainting, Hubschrauber-rundflüge und Graffiti-Sprayen an der Legal Wall

Datum: 7. Juni 2019 / Text und Fotos: Elisabeth Leitner

Impuls & Gespräch

Am heißen und sonnigen Kick Off Tag des oberösterreichischen Kultursommers wurde auch ein brennendes Thema im Vorfeld diskutiert: Ticketing. Zu der offenen und unverbindlichen Gesprächsrunde hat die Direktion Kultur eingeladen und als Impulsgeber den Geschäftsführer des Landestheaters Dr. Thomas Königstorfer gewinnen können.

Aus der letztjährigen Feedbackrunde ging hervor, dass sich einige FestivalveranstalterInnen eine Unterstützung im Bereich des Ticketings wünschten. Da viele Anregungen aus den theaterähnlichen Festivals kamen, wurde die Expertise von Dr. Thomas Königstorfer eingeholt. Die Präsentation spannte den Bogen vom traditionellen Kartenbüro, über eine Ticket-Hotline bis zum Online-Ticketing. Die Conclusio war, das ein gemeinsames Ticketing auch eine enorme Marketingchance für große, aber auch kleine Festivals wäre.

Zum Abschluss gab es natürlich noch ein OÖ Kultursommer Selfie ;-)

Datum: 6. Juni 2019 / Text: Markus Langthaler / Fotos: Land OÖ/ Ernst Grilnberger; Markus Langthaler

 

 

 

 

 

Im Rausch der Sinne!

Bei sommerlichen Temperaturen wurde gestern der Sinnesrausch im OÖ Kulturquartier in Linz eröffnet. Bis zum 13. Oktober 2019 sind nun auf den Dächern und Kunsträumen des OÖ Kulturquartiers 26 Kunstprojekte zu erleben. Der Text von Zeni Winter (Mai-Ausgabe OÖ. Kulturberichts) schafft einen ersten Eindruck zum außergewöhnlichen Kunstprojekt.

 

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